Anonymus

War Shakespears Werk wirklich sein, oder war er nur ein Hochstapler, der mit den Theaterstücken anderer hausieren ging? Dieser Frage wird in Roland Emmerichs neustem Kinofilm „Anonymus“ auf den Grund gegangen.

Dabei eröffnet der Film mit einem klugen Kniff: Die Hypothese, dass Shakespeare seine Stücke nicht selber geschrieben haben könnte, wird einem im heutigen New York vorgestellt. Im Zuge einer Theatervorführung leitet Derek Jacobi in die Thematik ein. Das Theaterstück überblendet ins mittelalterliche London und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Im ganzen Film bleibt das Medium Theater allgegenwärtig, auch wenn sich ein großer Teil der Story am königlichen Hof abspielt. Der Charakter des Shakespeare (Rafe Spall) bleibt dabei eher im Hintergrund. Im Mittelpunkt stehen nämlich Edward De Vere, Earl of Oxford (Rhys Ifans) und Ben Jonson (Sebastian Armesto), seines Zeichens komödiantischer Theaterautor. Edward de Vere hat sich schon in jungen Jahren für das Theater interessiert und selbst Stücke verfasst, doch als Adliger war es verpönt sich mit solch proletarischer Kunst zu beschäftigen. Begeistert von Bens leidenschaftlichen Arbeiten, erachtet De Vere ihn für würdig seine Werke unter dem Namen Jonson zu veröffentlichen. Dem ehrlichen Jonson behagt dies allerdings nicht und so überträgt er diese Aufgabe an seinen Freund, den Schauspieler Shakespeare.
Nach 2012 und 10000 BC ist es schön, wieder einen Emmerich auf dem Weg bergauf Richtung hochklassig zu sehen. Anonymus bewegt sich geschickt zwischen Historiendrama, Kostümfilm und Politthriller.

Zwischen Fiktion und Fakten. Der Legende hinter Shakespeare und dem Kampf um die Thronfolge von Queen Elizabeth I. Die Intrigen am Hofe schwächen den Adel und der Pöbel findet im Theater eine geeignete Plattform um politisch aktiv zu werden. Es ist spannend den Machtspielchen der einzelnen Parteien zuzusehen, nicht zuletzt aufgrund der dichten und stimmigen Atmosphäre, die einen teilhaben lässt am London des späten 16. Jahrhunderts.

Abzuwarten bleibt, ob Emmerich im nächsten Film vielleicht mal wieder eine künstlichere Atmosphäre wählen wird und zum Beispiel an alte Erfolge im Sciencefiction-Genre anknüpft. Lust auf mehr bekommt man auf jeden Fall.

Maximilian Riemer

Maximilian Riemer ist Kino-Experte aus Leidenschaft. Ein guter Film gehört zweifelsohne zu den schönsten Dingen, die ihm über den Weg laufen könnten. In seinen Filmkritiken versucht er auch die technische Seite hinter den Filmen zu beleuchten und gibt dabei interessante Einblicke in das Handwerk.