Another Earth

Stellen Sie sich vor: Sie blicken in den Himmel und ein Planet ist zu sehen, welcher der Erde zum verwechseln ähnlich ist. Jeder Mensch, der auf der Erde lebt, existiert auch auf der zweiten Erde. Jedes Leben, auf „Earth 2“ ist mit dem auf unserer Erde identisch. Um diesen Sachverhalt geht es im ersten Spielfilm von Mike Cahill, „Another Earth“. Oder tut es das?

Die junge Studentin Rhoda Williams (Brit Marling) erblickt den Zwilling der Erde das erste Mal auf dem Heimweg von einer Party. Angetrunken am Steuer ihres Wagens und von dem Phänomen abgelenkt baut sie allerdings einen Unfall. Dem Unfall fallen zwei Kinder und eine Frau zum Opfer – die Familie von John Burroughs (William Mapother). Er überlebt das Unglück aber fristet sein Leben badend im Selbstmitleid und betäubt vom Alkohol.

Den Namen der damals noch minderjährigen Rhoda hat John nicht erfahren, auch gesehen hat er sie nie. Auch ihre Verfassung ist miserabel. Von Schuldgefühlen zerfressen, beschließt sie, sich bei John zu entschuldigen. Als sie vor ihm steht, kann sie sich aber nicht dazu überwinden und gibt sich als Putzfrau aus. So passiert es, dass Rhoda nun einmal pro Woche bei John putzt und aufräumt.

Hier offenbart der Film seine eigentliche Geschichte: Die Geschichte von einer jungen Frau, die nach Läuterung sucht und von einem verbitterten Mann, der versucht seine Vergangenheit zu überwinden. Die Spannung des Dramas entspringt aus der Entwicklung der Beziehung zwischen den zwei Protagonisten. Im Verlauf der Story, kommen sie sich immer näher, womit sich auch zusehends der Gemütszustand der Charaktere verbessert. Doch das vergangene Unglück bleibt stets allgegenwärtig. An alten Klamotten heften Erinnerungen und der Unfallort bleibt eine Art Altar. Sie hindern Rhoda und John daran das Vergangene hinter sich zu lassen.

Ein Ausweg scheint greifbar, als Rhoda eine Reise zur zweiten Erde gewinnt. Doch die Flucht wäre keine Läuterung. Der letzte Hoffnungsschimmer bleibt die Idee, dass in der anderen Welt vielleicht doch nicht alles identisch ist. Ein Griff nach den Sternen, mit ungewissem Ausgang.

Maximilian Riemer

Maximilian Riemer ist Kino-Experte aus Leidenschaft. Ein guter Film gehört zweifelsohne zu den schönsten Dingen, die ihm über den Weg laufen könnten. In seinen Filmkritiken versucht er auch die technische Seite hinter den Filmen zu beleuchten und gibt dabei interessante Einblicke in das Handwerk.