Das ist das Ende

Filme, in denen die Welt untergeht gibt es mittlerweile zu Genüge. Der deutsche Regisseur Roland Emmerich, offensichtlich großer Verfechter des Subgenres Endzeitfilme, fällt hierbei besonders auf. Er hat es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht, unsere Erde auf immer spektakulärere und ausgefallenere Art und Weise in Schutt und Asche zu legen. Aliens, prähistorische Riesenexen, die globale Erwärmung oder auch der Kalender der Mayas dienten dem Stuttgarter bereits als Kulisse für seine Zerstörungsexzesse. Doch auch Streifen wie „Deep Impact“ oder das Kitschfestival „Armageddon“ von Michael Bay haben sich dem Thema schon angenommen. All diese Filme verbindet dabei die Ernsthaftigkeit und der manchmal schon unerträgliche Pathos (Bay), der von ihnen ausgeht.
Dass es auch anders geht, nämlich selbstironisch und lustig, wollen diesen Sommer die britische Komödie „The World’s End“ und das amerikanische Äquivalent „Das ist das Ende“ unter Beweis stellen. Den Anfang macht „Das ist das Ende“, geschrieben und dargestellt von der sogenannten Apatow-Crew. Judd Apatow ist der Regisseur und Autor von Filmen wie „Jungfrau (40), männlich, sucht…“, „Beim ersten Mal“ oder auch „Immer Ärger mit 40“. Und Apatow war es, der unter anderem Seth Rogen, Jonah Hill oder etwa Jason Segel entdeckte und ihr Talent förderte. Mittlerweile sind sie allesamt Stars und das ist auch die Ausgangslage von „Das ist das Ende“.

Denn hier spielen alle Darsteller sich selbst. Schauspieler James Franco hat zu einer Einweihungsparty in seinem neuen, leicht dekadenten Anwesen in Los Angeles geladen. Sein guter Freund Seth Rogen besucht diese zusammen mit Jay Baruchel. Der Abend sollte eigentlich ganz im Zeichen von Alkohol und großen Mengen Cannabis stehen, doch ehe sich die versammelte Prominenz versieht, steht die Apokalypse buchstäblich vor der Tür.
Vielmehr gibt es zur Handlung eigentlich auch nicht zu sagen. Nachdem die meisten Partygäste, inklusive Rihanna, verenden, verbarrikadieren sich Franco, Rogen, Hill, Baruchel, Craig Robinson und Danny McBride in Francos Anwesen. Es folgen neunzig Minuten, prall gefüllt mit subtilen, kindischen, ironischen, teilweise schlicht himmelschreiend komischen Szenen und Dialogen, die „Das ist das Ende“ zu einem der wohl lustigsten Filme der letzten Jahre machen.

Zugegeben, durch Blödelbarden wie Adam Sandler oder die arg plumpe, sich ständig wiederholende „Hangover“-Reihe, gab es sprichwörtlich eher weniger zu lachen in der vergangenen Zeit. Das soll die zahlreichen, äußerst amüsanten Ideen in „Das ist das Ende“ allerdings nicht schmälern, im Gegenteil. Schon allein die überzogene Charakterzeichnung der Protagonisten spielt so herrlich mit der öffentlichen Wahrnehmung und dem daraus resultierenden Schublandendenken. So wird aus dem tatsächlich künstlerisch ambitionierten James Franco kurzerhand der elitäre Snob James Franco und Jonah Hill ist seit seiner Oscar-Nominierung ohnehin eine unausstehliche Diva geworden.

Darüber hinaus ziehen die Macher gekonnt und leichtfüßig über ihre eigenen Filme und Filmklischees im Allgemeinen her. Dazu sei gesagt, dass man durchaus das ein oder andere, frühere Werk der hier anwesenden Schauspieler kennen sollte, insbesondere die Judd Apatow Produktionen (Stichwort: „Pineapple Express“), um voll auf seine Kosten zu kommen. Da stört es dann auch nicht, dass die eigentliche Handlung indes sehr einfach gestrickt ist und manche Gags mitunter etwas vulgär ausfallen. Doch um genau zu sein ist es ja nur konsequent, wenn ein mehrere hundert Meter hohes, postapokalyptisches Ungeheur auch ein entsprechend großes Fortpflanzungsorgan hat, aber ich schweife ab.

Fest steht, dass der Weltuntergang noch nie so viel Freude bereitet hat wie bei „Das ist das Ende“. Auch waren wohl, abgesehen von „Armageddon“, noch nie so viele Stars beim Ende der Welt dabei. Neben den Hauptdarstellern sind nämlich auch noch diverse andere Prominente in Cameos zu bestaunen. Nur Roland Emmerich hatte wohl leider keine Zeit.

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.