Die Vierte Macht

Paul Jensen (Moritz Bleibtreu) steckt in einer schweren Krise. Die Ehe des Berliner Szenejournalisten ist in die Brüche gegangen und er braucht dringend Ablenkung. So kommt es, dass er zu seinem Mentor Alexej Onjegin (Rade Serbedzija) nach Moskau reist. Der Zeitungsverleger ist ein alter Freund von Jensens Vater und bietet dem jungen Journalisten die Möglichkeit beim erfolgreichen Boulevardblatt Moscow Match zu arbeiten. Er soll sich dort um die Partyseiten kümmern und diesen mehr Glanz verleihen.
Bis zu seinem Tod arbeitete auch Jensens Vater bei Moscow Match. Das Magazin war damals deutlich seriöser und politisch engagiert, doch die Zeit verlangte es, sich der Staatsmacht unterzuordnen und möglichst unauffällig über Belanglosigkeiten der Moskauer Szene zu berichten. Jensens Vater war damals als Wirtschafts- und Politikjournalist tätig hinterließ seinem Sohn eine Menge Fotos, Dokumente und Super-8-Filme von seinen Recherchearbeiten.
Jensen möchte sich mit all diesen hochtrabenden Dingen jedoch nicht beschäftigen. Er sieht sich trotz seiner hochkarätigen Ausbildung als Gesellschaftsjournalist und zieht nach seiner Ankunft mit dem jungen Fotografen Dima (Max Rieselt) durch das Moskauer Nachtleben.
Als dann jedoch direkt vor seinen Augen ein bekannter, regimekritischer Journalist auf offener Strasse erschossen wird, wacht Jensen langsam auf. Der Schock sitzt tief, doch innerhalb der Redaktion soll schnell zur Tagesordnung übergegangen werden – berichten möchte man über den Todesfall natürlich nicht.
Katja (Kasia Smutniak), eine Journalistin, die für ein oppositionelles Blatt arbeitet, möchte dieses Stillschweigen brechen und versucht den Chefredakteur der Moscow Match umzustimmen. Jensen bekommt den Streit zwischen Katja und seinem Chefredakteur mit und macht der hübschen Journalistin Mut. Durch Katja lernt Jensen schnell die unglamouröse Seite des Moskauer Lebens kennen: Politische Demonstrationen, Konflikte mit der Staatsmacht und Untergrundpartys. Eines Tages wollen die beiden mit der U-Bahn fahren, doch kurz bevor Jensen die U-Bahn-Station betreten kann, detoniert dort eine Bombe.
Er wird ohnmächtig und wacht in einem Krankenhaus auf. Dort wird ihm mitgeteilt, dass Katja für die Explosion verantwortlich sei und bei dem Anschlag ums Leben gekommen wäre. Doch als wäre das noch nicht genug, beschuldigen ihn die Beamten schließlich der Mittäterschaft.
Jensen wehrt sich gegen die Anschuldigungen, wird aber dennoch in eine Gefängniszelle gebracht und zusammen mit Mördern, Dieben und Terroristen in einer engen und total verdreckten Zelle eingesperrt. Er durchläuft die Hölle auf Erden, doch nach einiger Zeit schafft es Onjegin eine Auslieferung durchzuboxen. Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse und es wird klar, dass der wahre, deutlich gefährlichere Gegner unterschätzt wurde…

„Die Vierte Macht“ ist ein beklemmender, beeindruckender und zugleich beängstigender Film, der zeigt, wie wertvoll Pressefreiheit ist und welche Mächte diese gefährden. Der Film ist dabei in jedem Moment packend und spannend. Der leichte und unbeschwerte Beginn ermöglicht einen einfachen und angenehmen Einstieg in die eigentliche Thematik und gibt dem Zuschauer die Möglichkeit, die wahren Ausmasse der Bedrohung zu erkennen. Das Einzelschicksal von Paul Jensen wird dabei stets mit einer globalen Thematik gleichgesetzt und das ohne jemals den roten Faden der Geschichte zu verlieren.
Dennis Gansel, der sich im Jahr 2008 bereits mit der Verfilmung von „Die Welle“ einen Namen als Regisseur gemacht hat, nahm sich des Terrorismus-Thrillers an und schuf einen Film, der auf internationalem Niveau umgesetzt wurde.
Moritz Bleibtreu verkörpert die Rolle des Journalisten in jeder Lebenslage brillant und tadellos. Dabei zeigt er die breit gefächerte Bandbreite emotionaler Wesenszüge der Hauptrolle und bringt diese gekonnt und glaubwürdig auf die Leinwand.
Ein wirklich beeindruckendes Werk, das aufrüttelt ohne verstörend zu wirken und zugleich überaus unterhaltsam ist.

Daniel Fürg

Daniel Fürg

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.