Ein Quantum Trost

Nachdem er von Vesper, der Frau die er geliebt hat, betrogen wurde, kämpft 007 (Daniel Craig) gegen das Verlangen an, seine nächste Mission zu einer persönlichen Angelegenheit zu machen. Fest entschlossen, die Wahrheit aufzudecken, verhören Bond und M (Judi Dench) Mr. White, der enthüllt, dass die Organisaion, die Vesper erpresst hat, viel komplexer und gefährlicher ist als zunächst angenommen. Die forensische Abteilung des Geheimdienstes kann einen MI6-Verräter mit einem Bankkonto in Haiti in Verbindung bringen. Aufgrund einer Verwechslung trifft er auf die schöne und resolute Camille (Olga Kurylenko), die ihren eigenen Rachefeldzug im Visier hat. Camille führt ihn zu Dominic Greene (Mathieu Amalric), der Dreh- und Angelpunkt der mysteriösen Organisation. Inmitten eines Minenfelds aus Betrug, Mord und Täuschung verbündet sich Bond mit alten Freunden, um die Wahrheit herauszufinden. Auf der Suche nach dem Mann, der für den Verrat an Vesper verantwortlich ist, muss 007 der CIA, den Terroristen und sogar M voraus sein, um Greenes dunkle Machenschaften aufzudecken und „Quantum“ zu stoppen…

Nach dem rekordbrechenden Erfolg von Casino Royale kehrt James Bond – wieder in der Gestalt von Daniel Craig- zurück in die Kinos. Regie führt diesmal Marc Foster (Wenn Träume fliegen lernen). Das Drehbuch schrieben wie schon bei Casino Royale Neal Purvis und Robert Wade zusammen mit Autor Paul Haggis (Million Dollar Baby, L.A. Crash). Quantum Trost ist die erste direkte Fortsetzung im James-Bond-Franchise, was den Schreibern der Story ermöglicht, den Tiefgang der Figur James Bond voranzutreiben. Selbstverständlich findet man wieder typische Bond-Motive wie exotische Drehorte z.B. Panama, Italien, Mexiko oder Chile, um den Zuschauer in andere Welten zu entführen. Natürlich gibt es spannungsgeladene Kampf- und Actionszenen und auch beeindruckende Opern- Sequenzen der Inszenierung von Tosca (Spielzeit 2007/2008) in Bregenz, die den Zuschauer mitreißen, auch wenn es hier nichts neues, revolutionäres zu vermerken gibt. Ach ja, nicht zu vergessen: rasante Autofahrten und eine Prise Erotik, um den typischen James Bond-Film abzurunden. Doch was macht den Reiz aus? Der neu inszenierte, sexy Bond alias Daniel Craig, der auch noch gut schauspielert, ist sicher ein entscheidender Grund, die Massen ins Kino zu locken. Doch dies allein macht Ein Quantum Trost nicht zu einem außergewöhnlichen Film, vielmehr sind es die Charaktere, die dem Film die Sonderstellung geben. Daniel Craig verkörpert James Bond wie kein anderer: Humor, Martini-Verwirrungen, seine stechend blauen Augen, sein perfekter maskuliner Körper und sein gebrochenes Herz machen ihn zu einem der menschlich verwundbarsten und realistischsten James Bond-Darsteller bisher. Ihm gegenübergestellt der unscheinbar-nette Bösewicht, gespielt von Mathieu Amalric. Er spielt einen Schurken, der seine dunkle Seite verbirgt. Er sieht unschuldig aus, wirkt schüchtern und nett, setzt seine Absichten aber im richtigen Augenblick unvorhersehbar grausam und fanatisch um. Ein absolut nicht typischer Bond-Gegner, der viel subtiler und erschreckender in seiner Boshaftigkeit in Erscheinung tritt, als bisherige Bond-Schurken. Ein weibliches James Bond-Gegenstück findet sich in Olga Kurylenko, die aufgrund ihrer tragischen Vergangenheit ihren eigenen Rachefeldzug im Blick hat. Sie ist die einzige Bond-Frau der bisherigen Filme, die keinen sexuellen Kontakt mit James Bond hat. Aber nicht nur das macht sie außergewöhnlich, man bemüht sich auch um eine individuell gezeichnete Charakterisierung der Figur, die mit ihrer Darstellung die bisherigen Mainstream-Bond-Girls locker aussticht. Auch Judi Dench alias M spielt wiederum perfekt die Rolle der Leiterin der MI6 und Bonds Boss. Die Dialoge mit Bond lassen auf eine Entwicklung in deren Beziehung zueinander schließen, die von der Frage dominiert wird, ob M Bond vertrauen kann. Die Frage des Vertrauens ist Hauptthema in Quantum Trost. Marc Foster sagt hierzu: „Wem können wir wirklich vertrauen? Vertrauen wir uns selbst überhaupt? Vertrauen wir anderen? Alle Menschen haben Probleme mit diesem Thema, denn an einem bestimmten Punkt unseres Lebens sind wir alle schon mal verraten worden.“ Gut, es gibt nicht die einfallsreichsten Actionszenen. Stattdessen schlägt der Film durch Bildkraft, gut inszenierte Schauplätze, eine spannungsgeladene dramatische Story, durch herausragende Charaktere – allen voran ein sensationeller Daniel Craig -, tolle Autos und schöne Frauen- konventionell und doch ein weiterer Meilenstein der James-Bond-Reihe.