Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2

Nachdem Harry (Daniel Radcliffe), Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson) zusammen mit Mr Ollivander (John Hurt) in letzter Sekunde aus dem Anwesen der Malfoys und damit den Fängen der Todesser entkommen konnten, ist das Schlimmste damit bei weitem noch nicht überstanden. Harry wird von düsteren Visionen des Dunklen Lord Voldemorts (Ralph Fiennes) geplagt. Es bleibt nicht mehr viel Zeit die verbleibenden Horkruxe zu finden und zu zerstören, ehe Voldemort Harry und seine Freunde ausfindig machen kann. Hierzu müssen die drei allerdings unter anderem in die Zaubererbank Gringotts und Schloss Hogwarts eindringen.

Hogwarts wird unterdessen von dem Todesser Professor Snape (Alan Rickman) als Schuldirektor geführt. Das Anwesen gleicht durch die Bewachung der Dementoren mittlerweile einer Festung. Allerdings gelingt es Harry, Ron und Hermine unverhofft einen Weg in das Innere der Zauberschule zu finden und mithilfe alter Verbündeter das Schloss wieder unter Kontrolle zu bringen. Dies bleibt Voldemort jedoch nicht verborgen und so vereint er seine zahlreichen Anhänger zu einem finalen Schlag gegen die letzte Bastion des Widerstands, um Harry Potter endgültig zu töten und die uneingeschränkte Macht über die Welt der Magier zu erlangen und die Muggel auszurotten.

Nun ist es also endlich soweit. Nach nunmehr zehn Jahren seit Erscheinen der ersten Verfilmung, „Harry Potter und der Stein der Weisen“ und zwischenzeitlich sechs weiteren Adaptionen, endet die filmische Aufarbeitung der Saga um den weltbekannten Zauberschüler mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ ein für alle Mal. Fans auf der ganzen Welt erwarten sehnsüchtig die cineastische Umsetzung des letzten Abenteuers ihrer Lieblingsromanhelden, Harry, Ron und Hermine. Und obgleich die Faszination für diese Geschichten selbstredend von der Roman-Reihe der Autorin Joanne K. Rowling ausgeht, eine Reihe, die beinahe eine ganze Generation auf dem Weg zum Erwachsensein begleitete und weit vor der „Twilight“-Saga einen nie dagewesenen Hype auslöste, gehören auch die Verfilmungen, mit einem weltweiten Einspielergebnis der bisherigen Teile von weit über sechs Milliarden Dollar, zum Pflichtprogramm eines jeden Harry Potter Anhängers.

Allerdings hat man sich bei Warner Bros., zusammen mit den Produzenten des Films, dazu entschlossen, auf Grundlage des siebten und letzten Harry Potter Romans, „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, zwei Filme zu drehen. Dies geschah natürlich ausschließlich aus Gründen besserer, weil ausführlicherer Erzählmöglichkeiten, keinesfalls wegen der Aussicht auf den beinahe doppelten Umsatz an den Kinokassen. Deshalb endet nun alles, gut acht Monate nach dem Kinostart von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1“, mit einem achten und letzten Film. Im Gegensatz zu dem eher gemächlichen ersten Teil, der sich vor allem durch ausgedehnte Landschaftsaufnahmen auszeichnete, brennt Regisseur David Yates, der bereits seit Verfilmung des fünften Bandes, „Harry Potter und der Orden des Phönix“, auf dem Regiestuhl Platz nimmt, mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ ein wahres Effekt-Feuerwerk ab. Ganz gleich ob nun spektakuläre Magier-Duelle, gewaltige, ausufernde Schlachten in Mitten der Trümmer der Zauberschule Hogwarts oder waghalsige Flugeinlagen, egal ob auf Besen oder Drachen, alles ist herausragend inszeniert und bombastisch in Szene gesetzt. Die epochale Musikuntermalung, die auch in den eher ruhigen Abschnitten zu überzeugen weiß, trägt ihr übriges zu dem pompösen Gesamtbild bei.

Hinter dieser imposanten Fassade, dem glitzernden und effektvollen Schein, verbirgt sich allerdings nicht allzu viel Substanz. Vor allem die Geschichte, die um einiges düsterer gerät als bei den Vorgängern, konnte trotz der Teilung der Romanvorlage nicht adäquat umgesetzt werden. Dies ist bei einem derartigen Mammutwerk mit immerhin 784 Seiten zugegebenermaßen auch alles andere als einfach, dennoch fehlt es dem Film an einem klaren roten Faden, immer wieder werden neue Charaktere und Handlungsstränge beiläufig eingeführt. Hierdurch verliert der Zuschauer mitunter schnell den Überblick und die Motivation, dem Geschehen aufmerksam zu folgen. Erschwerend kommt hinzu, dass auch das Buch selbst keine literarische Meisterleistung darstellt und stellenweise sehr abstrus und konstruiert wirkt. Auch wenn die Situation für die Protagonisten noch so ausweglos scheint, überstehen sie diese ein ums andere Mal völlig unverhofft. Erst im Nachhinein wird dann eine äußerst gekünstelte Lösung, mit dem krampfhaften Wunsch überraschend zu wirken, buchstäblich aus dem Hut gezaubert. Umgesetzt wird das Ganze von Daniel Radcliffe, Rupert Grint und Emma Watson in den Hauptrollen. Die drei, die mithilfe dieser Filme zu Weltstars wurden, haben sich seither mit jedem Teil stetig gesteigert und liefern mittlerweile eine durchaus ordentliche Darbietung ab.

Überzeugender wirken da schon die ganz und gar hervorragend besetzten Nebendarsteller. Angefangen von einem herrlich kauzigem und süffisantem Michael Gambon als Professor Dumbledore, bis hin zur wunderbar verrückten Bellatrix Lestrange, verkörpert von der mindestens ebenso abgedrehten Helena Bonham Carter. Herauszuheben sind hierbei die Leistungen von Alan Rickman und Ralph Fiennes. Rickman bietet als Professor Snape eine außergewöhnliche Leistung, und vor allem seine unverwechselbar tiefe und wabernde Stimme, mit der er jeden Satz herrlich überzogen und beinahe quälend in die Länge streckt, zieht einen dabei unmittelbar in seinen Bann. Ralph Fiennes hingegen spielt das unsagbar Böse, den ultimativen Gegenspieler Lord Voldemort, mit seinem schlangenhaften Gesicht, derart überzeugend und mit einer solchen Inbrunst, dabei stets mit ehrfurchteinflößend leiser Stimme und gleichzeitig graziöser Gestik, dass es eine große Freude bereitet ihn dabei zu beobachten. Die Inszenierung, die äußere Hülle von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ stimmt also, gleichwohl ist es das Innere, die Seele, die diesem Film fehlt. Und so eignet er sich, ebenso wie die Bücher durchaus für kurzweilige, qualitative Unterhaltung, zu mehr reicht es aber bei Leibe nicht. Diese Tatsache wird die Abermillionen Fans der Serie natürlich nicht davon abhalten, mit ihren liebgewonnen Helden ein letztes Mal auf der großen Leinwand mitzufiebern.

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.