Illuminati

Der römische Inspektor Ernesto Olivetti (Pierfrancesco Favino) sucht den renommierten Harvard-Symbolforscher Professor Robert Langdon (Tom Hanks) auf. Dieser wird mit einer schwierigen Situation im Vatikan konfrontiert: Hochexplosive Antimaterie, die in dem Schweizer Partikelbeschleuniger-Laboratorium CERN entwendet wurde, ist an einem geheimen Ort im Kirchenstaat versteckt. Das batteriebetriebene Behältnis, das die Antimaterie davon abhält, in die Luft zu gehen, wird um kurz vor zwölf Uhr Mitternacht detonieren, so die Drohung. Noch dazu wird die Warnung an den Vatikan mit einem legendenumwobenen, lange verschollen geglaubten Symbol unterlegt. Robert Langdon vermutet, dass die Geheimorganisation der Illuminaten in die Angelegenheit verstrickt ist und Rache an der katholischen Kirche verüben will. Doch dessen nicht genug, droht der konspirative Geheimbund damit, die vier von ihnen entführten Kardinäle zu jeder vollen Stunde in der Öffentlichkeit hinzurichten, bis die Bombe den Vatikan sprengt. Diese Lokalitäten der angekündigten, furchtbaren Ereignisse lassen sich anhand eines geheimen Illuminaten-Pfades aufspüren. Schon beginnt die Suche nach den Orten: Langdon begibt sich mithilfe der CERN-Wissenschaftlerin Vittoria Vetra (Ayelet Zurer) auf den Weg in die Bibliothek des Vatikans, um die Rätsel in einer Schrift des Ur-Illuminaten Galileo Galilei zu entschlüsseln. Es entbrennt ein Zeitrennen um Leben und Tod, quer durch Rom, durch versiegelte Krypten, dunkle Katakomben, verlassene Kathedralen – von einer historischen Sehenswürdigkeit zur nächsten. Da der vorherige Papst erst vor 14 Tagen gestorben ist und die Kardinäle gerade deswegen in der Sixtinischen Kapelle das Konklave abhalten, um ein neues Kirchenoberhaupt zu wählen, erschwert die Umstände…

Endlich gibt es den nächsten Dan Brown-Thriller auf der Leinwand zu sehen. Tom Hanks spielt wieder den renommierten Wissenschaftler Robert Langdon. Auch hier tritt er wieder als Experte für religiöse Symbolik in der Hauptrolle auf. Ron Howard führt wieder Regie in diesem Sommer-Blockbuster. Auch hier musste der Film wieder mit Anfeindungen, wie beim Vorgänger „Sakrileg“, der katholischen Kirche kämpfen. Problematisch bleibt es zusätzlich, dass Regisseur Ron Howard keine Drehgenehmigungen für reale Drehorte in Rom aufgrund vom Widerstand des Vatikans bekam. Der Regisseur konnte sich also nur auf die Nachbauung der Kirchen und religiösen Plätze berufen. Somit kann der wahre Grund für Dan Browns Erfolg filmisch nicht umgesetzt werden: Das Buch ermöglichte eine spannende Schnitzeljagd durch das überfüllte Rom und machte Lust, die Stadt selbst auf eigene Faust zu erkunden, um die Sehenswürdigkeiten selbst zu besuchen und zu inspizieren. Dieser Umstand lässt den Zuschauer bereits vorab nicht in die selbige Welt eintauchen, die der Roman dem Leser ermöglichen konnte. Doch zurück zum Film: Basierend auf dem Roman geht es um eine ständige Schnitzeljagd von einer historischen Sehenswürdigkeit zur nächsten. Wieso pumpt Ron Howard mehr als 100 Millionen Dollar in ein derartiges Filmprojekt? Der Zuschauer ahnt es schon… Der angekündigte Blockbuster muss diverse Aufnahmen bieten, um das Budget des Filmes auch widerspiegeln zu können. Dazu gehören übertriebene Großaufnahmen des Peters Platz und rasante Kamerafahrten, welche die Größe des Projektes erahnen lassen sollen. Die Erwartungshaltung des Zuschauers soll unter aller Garantie erfüllt werden. Ein schwieriges Unterfangen bei einem derart erfolgreichen Buch. Leider gelingt es dem Regisseur nur im Ansatz. Die Spannungspunkte des Filmes, also die Zeitpunkte der Hinrichtungen der Kardinäle, werden relativ fix durchgespielt. Im Buch bleibt Zeit zum durchatmen (meist bis zu 100 Seiten), um sich auf den nächsten Showdown vorzubereiten. Im Film werden dem Zuschauer nur wenige Minuten zugestanden, sich zu beruhigen. Zusätzlich wird durchgehend Spannungsmusik eingeläutet, die prinzipiell auch sehr gelungen ist, doch es bleibt keine Sekunde zum Luftholen. Die Atmosphäre des Filmes verdichtet sich für den Rezipienten zu einem ständigen Augenrennen von A nach B. Das Gefühl der kniffeligen Rätsel-Schnitzeljagd durch die engen Gassen Roms, die dem Buch so erfolgreich und spannend gelingt, wird im Film nicht auf den Filmbesucher übertragen. Stattdessen ist die Dimension und Größe des Projektes entscheidender als die Qualität der Geschichte. Eine logische Schlussfolgerung ist, dass sich die extreme Schnelligkeit auch auf die Darstellung der Protagonisten auswirkt. Zwar gewinnt der Film allein dadurch an Qualität, dass Tom Hanks mit seiner eleganten und perfekten Präsenz den Film kontinuierlich ‚durchzieht‘, dennoch wird keine einzige Charakterseite von Robert Langdon näher spezifiziert oder beleuchtet. Er wirkt größtenteils facettenlos und unspannend. Vittoria Vetra erscheint neben ihm noch viel extremer: sie wirkt wie ein nettes Anhängsel, eine fade Hülle eines Stereotypen, die nicht wirklich eine Bedeutung im Film hat. Weswegen ist sie immer an Langdons Seite, was ist denn ihre eigentliche Funktion? Im Roman entsteht eine Liebesgeschichte zwischen Langdon und Vetra, leider konnte diese nicht mehr in die rasante Filmgeschichte integriert werden. Somit ist die Frau im Film eigentlich auch überflüssig, zum Ärger des Zuschauers, da sie einfach irgendwann in der Filmgeschichte nervt. Einzig Nebendarsteller Ewan McGregor als nicht ganz leicht zu durchschauender Kämmerer des verstorbenen Papstes entwickelt etwas Charaktertiefe im Film. Seine Aufdeckung und seine Vorgeschichte vermitteln zumindest ansatzweise Tiefgang. Doch der Film gewinnt sicherlich am meisten durch seine Geschichte, die spannende Thematik und der von Außen in den Film getragene Glaubenskonflikt, der im Film nicht dramatisch ausgespielt wird. Doch allein wegen Tom Hanks und der adaptierten Romanvorlage lohnt es sich, ins Kino zu gehen. Solange man nicht die gleiche Atmosphäre und spannende Schnitzeljagd wie im Buch erwartet, sondern sich auf einen globalen Blockbuster freut, der leider ein bisschen zu groß geraten ist, um die Intensität und Spannung der Romanvorlage zu erreichen.