Frank-Markus Barwasser über „Vorne ist verdammt weit weg“

Frank-Markus Barwasser ist dem breiten Publikum nur unter dem Namen seiner Kultfigur Erwin Pelzig bekannt. Mit „Vorne ist verdammt weit weg“ brachte er diese einmalige Figur erstmals auf die große Kinoleinwand.

Warum ausgerechnet Einkaufswägen?

Der Einkaufswagen ist ein Gegenstand, der sowohl für Wohlstand als auch für Elend steht, da er ja für die, die ganz unten ankommen die letzte Habe ist. Obdachlose, die ihren letzten Besitz im Einkaufswagen umher schieben – das ist ein Bild, das jeder von uns im Kopf hat. Diese Symbolik hat uns zum einen gefallen, weil sie sehr gut zum Film passt und gleichzeitig eigentlich überhaupt nicht zu dieser Figur des Herrn Bieger passt.

Wie kam es überhaupt zu diesem Projekt? 

Thomas Heinemann, mit dem ich auch das Buch zusammen geschrieben habe und ich kennen uns schon sehr lange, wir haben schon viele Sachen zusammen geschrieben und er war auch Geburtshelfer bei der Figur das Erwin Pelzig. Er hat schon einige Jahre etwas im Filmbereich gemacht, ich habe Kabarett gemacht und da war es eigentlich fast schon vorprogrammiert, dass wir irgendwann einen Film machen würden.

Was ist das dann für ein Gefühl, wenn man sich zum ersten Mal auf der großen Leinwand sieht?

Weniger schlimm als ich dachte. Es war ungewohnter als ich mich das erste Mal selbst im Fernsehen gesehen habe. Es ist allerdings schon bewegend, weil man natürlich immer eine persönliche Beziehung zu den jeweiligen Szenen hat. Man weiß genau wie die Szene beim Dreh ablief und was da sonst gerade los war.

Wie entstand die Story um den Chauffeur? 

Wir haben überlegt in welcher Funktion Pelzig in eine Welt hineingeraten kann, in der er eigentlich nichts verloren hat und dann trotzdem Einfluss ausüben kann. Das ist in einem Auto in dem hinten der Chef und vorne der Fahrer sitzt ideal. Die beiden sind von 80 Zentimetern getrennt und leben finanziell gesehen auf zwei verschiedenen Planeten. Ein Fahrer hat dann natürlich auch eine gewisse Vertrauensstellung und da ist das eigentlich eine sehr gute Konstellation für eine solche Story.

Der Film thematisiert auch die Thematik des Outsourcing von Produktionen in Billiglohnländer – wie stehen Sie persönlich zu diesem Problem?

Ich finde das natürlich nicht gut. Dieser Globalisierungsdruck ist schlecht, aber er ist auch nicht aufzuhalten. Ich persönlich halte es für sehr problematisch. Rein wirtschaftlich rechnerisch soll Deutschland ja zu den Gewinnern der Globalisierung gehören. Die Tendenz, dass Regierungen hier auch ein Stück weit durch die Wirtschaft erpressbar werden ist sehr gefährlich. Die Unternehmen können vom Staat Bedingungen für den Standort Deutschland fordern und damit Vorteile für sich herausschlagen. Die Regierungen verlieren an Einfluss und die Wirtschaft gewinnt immer weiter an macht, pointiert könnte man fast sagen, dass Politik zunehmend zur Moderation der eigenen Bedeutungslosigkeit wird. Das ist schon sehr problematisch auch verbunden mit der Entwicklung, dass die soziale Schere immer weiter auseinander geht. Es gibt immer mehr reiche und arme Menschen und die sogenannte Mittelschicht stirbt langsam aus. Das ist noch nicht so schlimm wie in manchen ehemaligen Ostblockstaaten, in denen der Kapitalismus vollkommen brutal begonnen hat. Da geht es uns ja immer noch sehr gut.

Wie ist diese Kunstfigur Erwin Pelzig überhaupt entstanden?

In einem meiner ersten Programme hatte ich verschiedene Figuren und da war er einer davon, damals allerdings noch namenslos. Bald kam dann auch die Arbeit für Bayern 3 hinzu und da lag es nahe drei dieser Figuren zu verwenden. Im Lauf der Jahre habe ich diesen Pelzig dann immer wieder in seinem Wesen verändert. Früher hatte er noch etwas terrierhaftes und auch seine Themen waren anders als heute. Ich habe die Figur dann inhaltlich tragbarer gemacht und die Themen wurden philosophischer und auch politischer.

Wie oft wurde der Hut bis jetzt ausgewechselt? 

Das ist immer noch der erste. Mein allererster Hut, aber er hat jetzt bei den Dreharbeiten wahnsinnig leiden mussten, da ich auch einige Szenen im Regen hatte und das ist im nicht so gut bekommen. Es gab Ersatzhüte, aber der Hut ist jetzt 15 Jahre alt und sieht so gut aus, dass da ein neuer Hut einfach nicht mithalten kann. Die Tasche ist auch noch original und aus Kunstleder. Ein Schuster aus Würzburg flickt mir die in liebevoller Kleinarbeit immer wieder zusammen.

Kann man dann Zuhause überhaupt noch diesen Hut absetzen, die Tasche ablegen und wieder zu hundert Prozent zu Frank-Markus Barwasser werden? 

Ja, absolut. Da habe ich überhaupt kein Problem. Es wäre ja auch furchtbar, wenn das nicht ginge. Viele Leute sind da auch enttäuscht, wenn ich nach der Show noch irgendwo stehe und jemand zu mir kommt um noch ein Autogramm zu bekommen. Man sagt mir dann immer, dass ich ja ganz anders aussähe und sogar ganz normal sprechen könnte. Ja Gott sei Dank ist das auch so. Ich bin privat ja auch eher zurückhaltend. Das wird wohl auch einen Grund haben, dass ich mich hinter einer Figur verberge.

Hatten Sie schon immer vor beruflich etwas in dieser Richtung zu machen? 

Nein, ausgerechnet das eigentlich überhaupt nicht. Mein Ziel war immer als Journalist zu arbeiten und das habe ich zeitweise sogar geschafft. Ich habe dann auch Kabarett gemacht und gleichzeitig als Reporter gearbeitet, war aber als Kabarettist weitaus erfolgreicher und da musste ich mich dann auch entscheiden. Das schafft man irgendwann auch zeitlich nicht mehr.

Gibt es im Film eine Szene, die Ihnen besonders viel Spaß gemacht hat?

Ja, also besonders spannend war natürlich die Szene auf der Brücke. Wir saßen da wirklich, waren angeschnallt, aber 80 Meter sind dann doch ganz schön hoch. Ich bin auch immer sehr gerne mit dem Auto gefahren. Das ist eines der schönsten Modelle der Mercedes S-Klasse, das je gebaut worden ist. Das Auto sieht im Film allerdings sehr viel besser aus als unser Exemplar wirklich war.

Wie schwierig ist es dann eigentlich wenn man diese doch recht ernste Thematik in eine relativ komödiantische Handlung hinsetzen muss?

Das ist nicht einfach, aber das ist ja genau die Aufgabe der Satire und da versucht man immer genau diesen Spagat zu schaffen. Ich finde es eigentlich fast schwieriger nicht so hoch moralisch dabei zu werden. Die große Herausforderung dabei war, dass wir beim Zuschauer nicht allzu viel Fachwissen voraussetzen konnten und da wir das am Ende doch hatten neigt man immer dazu noch mehr zu erklären.

Wie kann man Erwin Pelzig am besten in einem Satz beschreiben?

Er ist auf alle Fälle ein Menschenfreund. Er mag die Menschen und er ist ein sehr hilfsbereiter Typ, der sich eine gewisse Naivität behalten hat, weil er denkt, dass sein Einsatz und sein Nachdenken nützt und zu etwas führt. Ich kann ihn nur schwer in wenigen Sätzen beschreiben. Irgendwie ist er auch ein Lebenskünstler.

Vielen Dank für das Interview!

Daniel Fürg

Daniel Fürg

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.