Joe Morton zu „Badland“

Wie entstand der erste Kontakt mit „Badland“?

Auf mehr oder weniger normalem Wege. Regisseur Francesco Lucente hat das Drehbuch an meinen Agenten geschickt, er gab es mir, ich las es und es gefiel mir. Ich hatte dann allerdings zunächst Bedenken, ob ich nicht zu alt für die Rolle bin, da ich wusste, wie jung Jamie Draven ist. Ich habe mich dann mit Francesco unterhalten und er hat mir erzählt, dass es sehr viele Reservisten gibt, die erst in meinem Alter aus dem Krieg zurückkehren, weil sie erst sehr spät dorthin geschickt wurden. Ich habe dann selbst ein wenig Recherche betrieben und dabei festgestellt, dass er tatsächlich recht hatte.

Was haben Sie von dieser ganzen Geschichte über die Kriegsveteranen gehalten? Was waren Ihre Gedanken dazu?

Ich denke, dass es zunächst einmal wichtig ist, dass diese Geschichte im Zusammenhang mit jedem Krieg stehen könnte und nicht auf diesen einen fixiert ist. Die Menschen müssen realisieren, dass es keine romantische Sache ist, wenn Soldaten aus dem Krieg heimkehren. Selbst wenn sie unverletzt zurückkommen, sind sie zumeist psychisch stark belastet. Wenn man 18, 24 oder 46 Monate damit verbringt, zuzusehen wie die eigenen Freunde im Kampf erschossen oder angeschossen werden, ist man im ersten Moment glücklich, dass man nicht selbst getroffen wurde, aber dann bereut man das, weil man den Tod des Freundes nicht verhindert hat, auch dann, wenn man das gar nicht verhindern hätte können. Wenn man dann nach Hause kommt und die Wut nicht am Feind auslassen konnte, bringt man diese mit und ist frustriert. Kommt es dann zu einer Situation in der man sehr verzweifelt ist und nicht mehr weiter weiß macht man das, was man im Krieg auch getan hat: die Waffe benutzen. Das passiert immer häufiger und das liegt auch an den heutigen Kriegen. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wusste man, wer der Feind war, aber bei den Kriegen, die danach kamen, war das alles sehr verwirrend. Ab dem Vietnamkrieg hat man dann auch angefangen von einer posttraumatischen Belastungsstörung zu sprechen an der die Heimkehrer sehr häufig leiden und die diese Verhaltensstörungen auslöst. Sie kehren nicht mehr als vollwertige Menschen in die normale Welt zurück, sind oft nur noch Tiere.

Was haben Sie gemacht, um sich für diese Rolle vorzubereiten?

Ich habe mir sehr viele Kriegsfilme angesehen, habe Bücher gelesen, habe mich als Soldat ausbilden lassen und habe sehr viel Recherche über den Irak-Krieg und den Vietnam- Krieg betrieben. Ich habe mit Menschen gesprochen, die Familienangehörige haben, die aus dem Krieg nach Hause gekommen sind, habe sie gefragt, wie sich die Personen verändert haben, ob es Probleme gab. Ich habe dann versucht all diese Informationen in meine Rolle einfließen zu lassen. Wie würden Sie Ihre Rolle, Max, beschreiben? Max ist ein Mann, der es alleine nicht schafft sich wieder einzugliedern. Er kehrt in die normale Welt zurück und bekommt dann auch noch den unpassendsten Job für seine Situation. Als er dann herausfindet, dass dieser neue Freund von ihm kriminell ist, stellt er fest, dass dieser die gleichen Probleme hat, mit denen auch er selbst zu kämpfen hat.

Sie haben auch einen Song für den Film geschrieben. Wie kam es dazu?

Es hat bei einer Diner-Party in meinem Hotelzimmer in Kanada angefangen. Ich habe irgendwann die Gitarre in die Hand genommen und habe zu spielen und singen angefangen. Am Tag darauf hat mich Francesco gefragt, ob ich einen Song habe, der zu „Badland“ passen würde. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keinen, aber ich habe dann den restlichen Tag damit verbracht Notizen über meine Figur aufzuschreiben – wer war Max vor dem Krieg? Was hat er getan, als er nach Hause kam? In der darauf folgenden Nacht habe ich angefangen an der Melodie zu arbeiten, aber da es mitten in der Nacht war, musste ich sehr leise sein und habe das in einer viel zu hohen Tonlage geschrieben. Zwei oder drei Tage später habe ich dann den fertigen Song der Crew vorgestellt, Francesco liebte ihn und verwendete ihn im Film.

Was kann getan werden, um den Heimkehrern helfen zu können?

Zuerst muss man erkennen, dass da wirklich ein Problem vorhanden ist, das gelöst werden muss. Diese Männer und Frauen kommen nach Hause und sind durch den Krieg definitiv beeinträchtigt worden. Die Regierung muss Geld zur Verfügung stellen, um diesen Menschen zu helfen. Wenn jemand ohne Verletzungen zurückkommt, sehen wir nicht, dass er seelische Verletzungen haben könnte. Es müsste ein System geben, bei dem sichergestellt wird, dass diesen Veteranen auch psychologisch geholfen wird, auch dann, wenn sie selbst nicht erkennen, dass der Krieg Spuren hinterlassen hat. Im Moment erkennt das noch niemand und man redet sich ein, dass diese Personen in Ordnung sind. Man wundert sich dann, wenn doch wieder etwas Furchtbares passiert.

Wird derzeit überhaupt nichts getan, um bei der Reintegration zu helfen? Werden die ehemaligen Soldaten ohne jede Hilfe zurück in ihre Familien geschickt?

In den meisten Fällen ist das so. Bis irgendetwas passiert geht man davon aus, dass es keine Probleme gibt.

Wie viele der Veteranen leiden an dieser posttraumatischen Belastungsstörung?

Ich weiß im Moment keine genauen Zahlen, aber es gibt tausende, die davon betroffen sind. Natürlich gibt es verschieden starke Ausprägungen dieser Störung und deshalb kann man nicht klar sagen, wer dieses Problem hat und wer nicht. Ich bin der Meinung, dass so gut wie jeder belastet ist, der aus dem Krieg zurückkommt.

Wie stark ist diese Störung bei Max?

Er ist selbstmordgefährdet und leidet sehr stark an dieser Störung. Er kann nicht begreifen warum er dort war und sieht sich als jemand, der zum Töten bezahlt wurde. Er braucht wirklich Hilfe.

Vielen Dank für das Interview!

Daniel Fürg

Daniel Fürg

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.