Killing Them Softly

Beinahe einen Monat ist es nun her, dass Barack Obama erneut zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde. Doch im Gegensatz zu 2008, als Obama das Amt von seinem Vorgänger George W. Bush übernahm, waren die landesweiten Stürme der Begeisterung diesmal nicht ganz so gewaltig, die Euphorie etwas zurückgenommener. Dies mag unter anderem daran liegen, dass die USA 2008 enorm unter der weltweiten Finanzkrise litten und der enthusiastische Wahlslogan Obamas, „Yes we can!“ der gebeutelten Weltmacht neuen Mut zurief. Millionen Amerikaner verloren damals im Zuge der Krise ihren Job, viele sogar ihre Existenz.

Frankie (Scott McNairy) und Russell (Ben Mendelsohn) haben keine richtige Existenz. Sie sind Kleinganoven, Möchtegern-Gangster und zu allem Überfluss auch noch Versager. Sie haben sich im Gefängnis kennengelernt und die Auswirkungen der Krise gehen völlig an ihnen vorbei, sie besitzen nichts, das sie verlieren könnten. Doch Frankie und Russel treibt ebenfalls die Jagd nach dem schnellen Geld an, die Illusion des amerikanischen Traums, der nie so ungreifbar schien wie in diesen Zeiten. Nur halten die beiden eben nichts von ehrlicher, legaler Arbeit und wie es der Zufall will, hat Frankies Freund, Johnny Amato (Vincent Curtola) einen lukrativen Auftrag für das Duo. Der klingt zunächst gleichsam simpel wie raffiniert: Frankie und Russell sollen ein illegales, von der Mafia organisiertes Kartenspiel überfallen. Dieses wird von Markie Trattman (Ray Liotta) geleitet und überwacht. Der Clou dabei: vor ein paar Jahren hatte Trattman selbst eines seiner Kartenspiele ausrauben lassen und sich anschließend verplappert. Damals wurde er verschont, aber bei einem erneuten Zwischenfall wird sein Kopf rollen. Und als das Kartenspiel tatsächlich erneut überfallen wird und die Syndikats-Zocker daraufhin Angst um ihr Geld haben, heuern die Bosse den Killer Jackie Cogan (Brad Pitt) an, um die Sache vollständig zu bereinigen.

Damit wären wir auch schon bei der zentralen Figur von „Killing Them Softly“ angekommen, Brad Pitts Alter Ego Jackie Cogan. Cogan ist ein Killer der alten Schule, ein Outlaw wie er im Buche steht. Er trägt Schwarz, raucht ununterbrochen und schert sich außerdem einen Dreck um die Meinungen oder Befindlichkeiten anderer. Bei seiner Einführung im Film, herrlich treffend zu Johnny Cashs „When The Man Comes Around“, wirkt er beinahe wie ein moderner Cowboy, dessen Pferd nun allerdings deutlich kleiner ausfällt und als metallenes Emblem den Kühlergrill seines Autos ziert. Und jener Cowboy ist es, der in der Welt der Gesetzesbrecher und Missetäter Ordnung schaffen soll, auf seine Weise. Diese Allegorie spiegelt den verzweifelten Wunsch nach früheren, einfacheren Zeiten wieder, als das eigene Ersparte noch vor undurchsichtigen Finanzgeschäften großer Banken sicher war.

Dabei ist es eine Freude Brad Pitt zuzusehen, mit welcher unglaublichen Lässigkeit er diese Figur mimt und ihr fast schon eine gewisse Verve verleiht. Jackie Cogan wirkt nahezu wie ein Poet, wenn er darüber sinniert, warum er seine Opfer lieber aus der Distanz erledigt, ohne ihnen dabei in die Augen sehen zu müssen – „killing them softly“ wie er es nennt. Und mit der gleichen Poesie und Stilsicherheit werden auch die Morde inszeniert. Mal in extremer Zeitlupe, bei strömendem Regen und zu sanfter Musik, ein ander Mal wiederum gefühlskalt und abgeklärt.

Hierbei wurde vollständig auf CGI-Effekte oder sonstige Hilfen verzichtet, denn genau wie sein Hauptcharakter, ist auch der Film selbst vom alten Schlag. Das merkt man vor allem an den langen, ausgedehnten Dialogen, die diesen Streifen fast ausschließlich ausmachen. Einerseits ist das eine wohltuende Abwechslung zu den ganzen Bilderfluten und Sinnes-Overkills die einem heutzutage in Hollywood-Blockbustern entgegen geschleudert werden und Filme durch ihre schnellen, hektischen Schnitte immer mehr zu Musikvideos verkommen lassen. Andererseits hingegen verzettelt sich „Killing Them Softly“ in seinen Dialogen zu sehr in Nichtigkeiten. Diese, zumeist banalen Gespräche, lassen jedweden Pep und oftmals auch Humor vermissen, wodurch sie ab einem gewissen Punkt nur noch ermüdend und lähmend wirken.

Somit ist es Regisseur Andrew Dominik nicht gelungen, einen klassischen Gangsterfilm im traditionellen Sinne zu drehen, dafür bremsen die oftmals faden Gespräche das Tempo des Films zu sehr. Dominik drehte zuvor übrigens „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“, darin spielte Brad Pitt Jesse James, den berühmten Cowboy.

 

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.