Laurence Dunmore über „The Libertine“

Wie war es, jetzt endlich einen eigenen Kinofilm zu machen und diesen dann schließlich auf der Leinwand zu sehen?

Die ganze Produktion des Filmes war eine unglaubliche und wundervolle Erfahrung. Es ist toll, mit solch großen Schauspielern zu arbeiten und einen Film zu machen, der eine wichtige Botschaft hat. Wir haben alle sehr hart gearbeitet. Ihn dann fertig auf der Leinwand zu sehen, war nervenaufreibend und sicherlich schwieriger, als die eigentliche Produktion des Films. Ich versuche zwar so viel Kontrolle wie möglich über die Post-Production zu haben. Da ich dafür aber nicht zuständig bin, war ich mir nicht so ganz sicher, was nun aus dem Film geworden war. Trotzdem war es sehr spaßig die Reaktionen des Publikums zu sehen.

Ist es nicht wie ein Traum der in Erfüllung geht?

Ja, das ist es. Ich hab schon immer davon geträumt Filme zu machen, und jetzt ist es real! Es ist wirklich fantastisch.

Wie ist es, mit Menschen, wie Johnny Depp und John Malkovich zu arbeiten?

Sie sind beide außerordentlich talentiert. Aber dieser Film hat es verdient solch großartige Schauspieler zu haben. Ich hatte schon eine genaue Vorstellung, wie ich den Film machen wollte, doch beide haben ihre Aufgabe hervorragend gemeistert. Aber die größte Herausforderung war es, mit allen Schauspielern zu arbeiten, denn das ist der große Unterschied zu Werbefilmen. Es ist nun einmal schön zu sehen, wie sich die Schauspieler in ihre Rollen einleben, und sich dabei weiterentwickeln. Es war einfach ein sehr großer Spaß.

Man hat ja auch wirklich gesehen, dass Johnny Depp Freude bei der Arbeit hatte…

Ja, er hat die Rolle des Rochester wirklich gelebt. Er hat viel recherchiert, um es so authentisch wie möglich zu gestalten. So wurde er schließlich der Charakter. Und es dauerte einige Monate, bis er wieder von der Rolle loskam. Das ist auch das Besondere an John Malkovich, Samantha Morton und Johnny Depp. Außerdem können sie die Crew immer zum Lachen bringen.

Konnten die Schauspieler auch ihre eigenen Ideen einbringen oder ging alles nach ihrem Kopf?

Also ich gab jedem die Vorstellung von dem, was ich tun wollte. Ich wollte alle natürlich zu jeder Zeit unterstützen. Mit Johnny saß ich fast jeden Abend über dem Script und wir versuchten Kompromisse zu schließen. Es war also eine klare Vision, die aber immer für Vorschläge frei war.

Der Film spielt in der Zeit der Renaissance. Haben sie eine Vorliebe dafür?

Na klar, ich war schon immer von Geschichte begeistert. Aber ich dachte nie, dass dies das Thema für meinen ersten Film sein würde. Eigentlich dachte ich immer, ich würde zuerst einen Gangster-Film drehen. Doch diese Zeit hat etwas sehr faszinierendes an sich, da sich die Welt im Wandel befand.

Sind sie der Meinung, dass das von Rochester geschriebene Theaterstück heute immer noch diese obszöne Wirkung auf das Publikum hätte?

Also ich bin der Meinung, dass es zwar sensationell, aber nicht mehr so kontrovers wäre. Es war früher natürlich so schockierend, da es gegen die religiösen Moralvorstellungen verstieß. Heutzutage hätte man es sicherlich in einer anderen Art und Weise aufgefasst.

Haben sie schon Ideen für ihre nächsten Projekte?

Ja, diese befinden sich jedoch noch in einem frühen Entwicklungsstadium. In den nächsten 6 Monaten werde ich nicht beginnen einen neuen Film zu drehen. Vieleicht werde ich ein paar Werbefilme machen, um meinen Blick für das Wesentliche zu schärfen.

Vielen Dank für das Interview!

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.