Marvel’s The Avengers

„Elf Freunde müsst ihr sein!“, diese etwas abgenutzte Plattitüde wird landauf, landab gerne von selbsternannten Fußball-Experten in den Raum geworfen. Die Phrase soll verdeutlichen, dass man vor allem über Teamgeist und eine geschlossene Mannschaftsleistung zum Erfolg kommt. Gestaltet sich die Umsetzung bei elf, teilweise äußerst egozentrischen Kickern schon recht schwierig, ist das jedoch kein Vergleich zu sechs Superhelden, die auf einmal gezwungen werden zusammen zu arbeiten. Doch eben das müssen Iron Man, Captain America, Hulk, Thor, Black Widow und Hawkeye in Marvels neuester Comic-Adaption „The Avengers“ tun, um den Untergang der Menschheit zu verhindern.

Thors finsterem Bruder Loki (Tom Hiddleston) ist es nämlich gelungen, einen kosmischen Würfel mit ungeahnten Kräften in seinen Besitz zu bringen. Mit dessen Hilfe will er die Menschen versklaven und Herrscher über die Erde werden. Im Angesicht dieser ungeheuren Bedrohung sieht der Kopf der internationalen Eingreiftruppe S.H.I.E.L.D., Nick Fury (Samuel L. Jackson), keine andere Möglichkeit, als die größten Helden des Universums zu vereinen und so die drohende Katastrophe abzuwenden. Doch die eigenwilligen Individuen sind es keinesfalls gewohnt, im Team zu arbeiten und deshalb müssen Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Hulk (Mark Ruffalo), Thor (Chris Hemsworth), Black Widow (Scarlett Johansson) und Hawkeye (Jeremy Renner) schnellstmöglich lernen miteinander auszukommen, ehe es zu spät ist. Nachdem bereits in „Iron Man 2“ einige Andeutungen auf einen Film über die Avengers zu sehen waren und Captain America und Thor ihre eigenen, gleichnamigen Verfilmungen bekamen, auch um sie einem breiteren Publikum bekannt zu machen, ist es nun endlich soweit: die legendäre Comic-Serie um ein Team aus Superhelden hat es auf die große Leinwand geschafft. Fans dürfte es hierbei besonders freuen, dass bis auf Hulks Alter Ego Bruce Banner, zuletzt verkörpert von Edward Norton, die Schauspieler die selben sind, wie bei den bisherigen Auftritten der Helden. Was Fans und Kino-Freunde im Allgemeinen jedoch noch weitaus mehr entzücken dürfte ist die Tatsache, dass Regisseur-Neuling Joss Whedon mit „The Avengers“ ein richtig homogenes, spaßiges und vor allem actiongeladenes Erstlings-Werk abgeliefert hat.

Whedon stand vor der Herkules-Aufgabe, sechs eigenständige Superhelden in einen Film zu packen und dafür zu sorgen, dass jeder seine glanzvollen Momente erhält, dass keiner zu kurz kommt. Diese Aufgabe hat er mit Bravour gemeistert. Zwar haben die Charaktere von Black Widow und Hawkeye im Gegensatz zu den Großen Vier etwas weniger Leinwand-Zeit spendiert bekommen, doch auch sie sind nicht weniger von Bedeutung als die anderen, auch sie haben eine absolute Daseinsberechtigung.

Besonders das Zusammenspiel der Heroen hebt „The Avengers“ vom üblichen Helden-Einerlei ab. Wenn der äußerst eingebildete und vorlaute Iron Man auf den pflichtbewussten Captain America und extrem stolzen Thor trifft, sind lustige Momente vorprogrammiert. Auch sonst ist dieser Streifen ausgenommen witzig, auf eine angenehme, stets augenzwinkernde Art und Weise. Das Duell in der Paradedisziplin eines jeden Draufgängers, coole Sprüche klopfen, geht dabei aber ganz klar an Tony Stark alias Iron Man (Nick Fury wurde wegen Trivialität und Dumpfheit disqualifiziert). Da dies aber primär ein Action-Film ist, kommt man mit ein paar komischen Sprüchen nicht weiter und deshalb fackelt „The Avengers“ auch ein bildgewaltiges Feuerwerk ab, das in diesem Genre seinesgleichen sucht. Von der ersten Sekunde an geht es zur Sache, ständig wird gekämpft, ständig gibt es allerhand imposante Explosionen zu bestaunen. So schaukelt sich das Ganze immer mehr von einem Aha-Moment zum anderen. Was dann schließlich im großen Finale, welches in Manhattan stattfindet, geschieht, spottet schlichtweg jeder Beschreibung. Eine derart eindrucksvolle, ausufernde, verblüffende, Kinnladen-herunterklappen-lassende Schlacht gab es selten zu bestaunen, da würde selbst Michael Bay feuchte Augen bekommen.

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.