Matt Groening über „Die Simpsons“

Ist es richtig, dass Ihr Name einen deutschen Ursprung hat?

Ja, Deutsch und Niederländisch. Mein Vater und seine Eltern gehörten einer Gruppe an, deren Lebensweise der amischen ähnelt. Eine sehr konservative und christliche Religion. Mein Vater lebte mit seiner Familie in Kansas und sprach Deutsch bis er in die Schule kam. Sie hatten damals noch nicht einmal ein Auto und lebten wie im 19. Jahrhundert.

Wie wurden Sie von dieser Vorgeschichte beeinflusst?

Meine Großeltern, das war beachtlich, verließen diese Gemeinschaft und wurden College-Professoren. Mein Vater unterrichtete Physik und meine Großmutter, die aus Russland kam unterrichtete Russisch.

Sie wuchsen in Oregon auf und so waren Sie bei den „Simpsons“ auch von Springfield in Oregon inspiriert – ist das richtig?

Ja, das stimmt. Das war die nächste Stadt zu dem Ort wo wir lebten. Da gab es eine Fernsehshow, die in Springfield spielte und so war ich mir sicher, dass das ein toller Ort sein muss. Als es dann dazu kam, dass ich eine eigene Fernsehshow machen sollte, wollte ich diese auch in Springfield spielen lassen.

Gibt es da inzwischen nicht eine Art Wettstreit zwischen den vielen verschiedenen Städten, die Springfield heißen?

Ja, den gibt es inzwischen. Jede Stadt hat so ihre eigenen Gründe warum sie das „Simpsons“-Springfield sein soll. Die einen sagen, dass ihr Bürgermeister genauso ist wie der in der Serie und die andere Stadt sagt, dass sie auch ein Atomkraftwerk hat und deshalb das einzig wahre Springfield ist.

Wissen Sie selbst wie viele „Simpsons“-Folgen Sie inzwischen gemacht haben?

Ich weiß, dass wir vor ein paar Monaten die 400er Marke hinter uns gelassen haben.

Also wissen Sie gar nicht ganz genau wie viele es sind?

Doch, wir müssten nun bei Nummer 418 sein, aber ganz sicher bin ich mir nicht.

Wie können Sie nach 400 Episoden immer noch neue Ideen finden?

Naja, vergangene Nacht saßen wir zusammen und haben über das Oktoberfest gesprochen und darüber, dass es immer im September stattfindet. Also haben wir uns gedacht, dass Homer dieses Fest einmal besuchen sollte und es dann verpasst und ein Jahr auf das nächste Fest warten muss.

Wie würden Sie diesen speziellen Humor der „Simpsons“ beschreiben und wie schwierig ist es diesen zu erschaffen?

Im Grunde nehmen wir eine ganz normale Familiensituation, die jeder kennt und dann setzen wir unsere sehr ausgefallenen Figuren in diese Situation. Als wir vor zwanzig Jahren mit dieser gelben Familie angefangen haben, gab es noch nichts vergleichbares. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert. 1989 konnte sich niemand daran erinnern jemals einen Cartoon für Erwachsene in der Primetime gesehen zu haben. Das war damals eine sehr riskante Sache, aber es hat dann glücklicherweise funktioniert.

Hatten Sie schon einmal das Problem, dass Ihnen der „Simpsons“-Heimatsender Fox eine Sache nicht erlaubt hat, die Sie gerne mit den „Simpsons“ umsetzen wollten?

Nun ja, zuerst einmal muss man sagen, dass Fox wie ein Oktopus mit vielen Tentakeln ist. Und der Arm, der mit den „Simpsons“ zu tun hat ist Fox Network und Fox Studio – Fox News ist etwas ganz anderes, mit denen haben wir gar nichts zu tun. Wir machen eigentlich das was wir machen möchten und Rupert Murdoch geht es denke ich einmal darum Geld zu verdienen und das kann er mit einer sarkastischen Comedy besser als mit einer konservativen Sache.

Gab es jemals eine spezielle Sache, die Sie machen wollten und mit der Sie Probleme bekommen haben?

In den letzten Jahren hat die Federal Communication Commission strenge Regelungen für Sexualität und Nacktheit herausgegeben und daran müssen wir uns halten. Wir dürfen Homers Hinterteil zum Beispiel nicht nackt im Fernsehen zeigen. Aber im Kinofilm haben wir dafür Nacktheit.

Bis jetzt gab es einen zehn Minuten Ausschnitt des Films zu sehen – was macht den Film im Vergleich zur Serie so besonders?

Der Grund warum wir diesen Film machen wollten war, dass wir das Erlebnis der großen Leinwand mit den „Simpsons“ erleben wollten. Über die Jahre haben wir immer wieder einzelne Episoden in großen College-Hörsälen gezeigt und es gibt einfach nichts, das man mit der großen Leinwand vergleichen könnte. Wir arbeiten hauptsächlich in Los Angeles um die sechs Monate an einer Episode und Dienstags ist immer der letzte Tag an dem dann noch alles geschnitten, zusammengeführt und der Ton gemischt wird. Sonntags läuft die Episode dann im Fernsehen und da gibt es keine großartigen Reaktionen. Am nächsten Tag gehen fangen wir dann mit der nächsten Episode an. Einen Kinofilm zu machen ist ein ganz anderes Erlebnis und man erreicht auch eine andere Art von Publikum. Das ist einfach eine Sache die wir noch nie gemacht haben und uns wurden immer wieder Sachen wie Videospiele, Brotzeitboxen und Fanartikel angeboten. Jetzt nach 20 Jahren haben wir uns endlich dazu entschieden einen Kinofilm zu machen.

Aber eigentlich wollten Sie zunächst nicht, oder?

Das war eigentlich keine Frage des Wollens, sondern vielmehr eine Frage der Zeit. Wir waren so sehr mit der Serie beschäftigt, dass einfach keine Zeit für einen Kinofilm da war. Wir machen keinen Urlaub, sondern arbeiten das ganze Jahr über und das funktioniert normalerweise um die drei, vier Jahre, aber nach 20 Jahren wird man irgendwann einmal müde. Deshalb haben wir uns dann zu diesem Film entschieden und haben das „Simpsons“-All-Star-Team vereint, um mit diesen Autoren und Produzenten diesen Film zu machen.

Welche Figur ähnelt Ihnen am meisten?

Es war zunächst Bart und inzwischen ist es eher Homer. Am Anfang war es Bart, der eher mitleidserregend war und Homer hat ihn immer gehänselt. Mit der Zeit hat sich das dann irgendwie genau umgedreht. Jetzt hat sich das irgendwo in der Mitte eingependelt. Über Homer kann ich sehr lachen und das gar nicht einmal wegen Homer, sondern vielmehr wegen den Sachen, die wir ihm antun. Er weiß nicht, dass man ihn missversteht und er versteht nicht, was mit der Welt falsch ist. Er macht immer alles falsch und das finde ich sehr charmant.

Haben Sie Mitleid mit ihm?

Ja, in gewisser Weise schon. Er wird aus dieser Welt einfach niemals ausbrechen können. Lisa hingegen wird auf ein College gehen und sich weiterbilden können.

Erzählen Sie ein wenig über Ihre Fans. Sie haben gesagt, dass Sie Episoden in Colleges zeigen. Wie reagieren Fans auf Sie, wissen die wie Sie aussehen und bekommen Sie viel Fanpost? Haben sie auch Ideen für neue Episoden?

Jeder hat seine ganz eigene Meinung zu den „Simpsons“ und deshalb bekomme ich immer wieder sehr viel Fanpost. Die Leute erzählen mir was ihnen gefällt und was sie nicht mochten. Sie haben auch immer wieder Vorschläge was wir machen sollten. Als bekannt wurde, dass Bart im Kinofilm nackt zu sehen sein würde, bekam ich insgesamt drei Briefe in denen mir erklärt wurde, dass ich damit alles kaputt machen würde. Ich habe dann persönlich geantwortet und geschrieben, dass sie unter Garantie auch in diesen Szenen herzlich lachen werden.

Wie wichtig sind die Synchronstimmen? Kennen Sie auch die deutschen Stimmen?

Ich habe mir die deutschen Stimmen vor Jahren angehört und ich fand, dass sie sich sehr gut anhören. Als ich gestern im Hotel den Fernseher angeschaltet habe, liefen zufällig die „Simpsons“ und ich habe mir zum ersten Mal eine gesamte deutsche Episode angehört. Ich fand die Stimmen wirklich großartig und mag sie sehr.

Vielen Dank für das Interview!

Daniel Fürg

Daniel Fürg

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.