Mission: Impossible – Rogue Nation

Ein brennendes Streichholz, dazu Synthesizer- und Gitarrenklänge im Hintergrund, diese Kombination hat meist nur eines zu bedeuten: die Mission: Impossible – Reihe ist zurück. Zwar könnte es sich auch um einen Brandstifter mit rockigem Musikgeschmack handeln, doch in diesem Blog geht es vornehmlich um Filme und dabei soll es zunächst auch bleiben.

Zum mittlerweile fünften Mal schlüpft Tom Cruise nun in seine Paraderolle als Geheimagent Ethan Hunt, wobei theoretisch jede Rolle von Cruise als Paraderolle angesehen werden kann, bei der er sehr schnell laufen und Motorradfahren darf. Die Filmreihe, ursprünglich basierend auf der 60er Jahre Spionage-Serie „Kobra übernehmen Sie“ (Originaltitel: Mission: Impossible) hat sich inzwischen sehr von ihren Thriller-Wurzeln gelöst und produziert heutzutage ausschließlich reine Action-Blockbuster. Stil und Ausrichtung der einzelnen Ableger hängen dabei stark vom jeweiligen Regisseur ab, der gerade das Ruder führt.

Diesmal leitet Christopher McQuarrie die Geschicke, er ist durch seine Regiearbeit bei „Jack Reacher“ und sein Drehbuch zu „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ bereits bestens mit Tom Cruise vertraut. Bei „Mission: Impossible – Rogue Nation“ geht es nun darum, einer äußerst gefährlichen Terrororganisation namens „Das Syndikat“ das Handwerk zu legen. Das Problem dabei: diese Organisation agiert stets im Verborgenen und verwischt ihre Spuren derart geschickt, dass niemand wirklich an ihre Existenz glaubt. Des weiteren hat die CIA das IMF, Hunts Zweigstelle innerhalb der Agency, soeben per Kongressbeschluss schließen lassen. Laut CIA-Direktor Hunley (Alec Baldwin) basieren die Erfolge des IMF zu oft auf Zufall und Glück, das Risiko von Kollateralschäden sei zu hoch. Hunt entzieht sich jedoch dem Zugriff der CIA, er glaubt weiterhin fest an die Existenz des Syndikats und dessen globale Bedrohung. Von nun an sind er und sein Team, bestehend aus Brandt (Jeremy Renner), Benji (Simon Pegg), sowie dem zurückgekehrten Luther (Ving Rhames), auf sich alleine gestellt und wieder einmal geht es um nichts Geringeres, als die Errettung der gesamten Welt.

Stilistisch versucht „Rogue Nation“ dabei einen sehr interessanten Spagat. So gibt es einige visuelle, als auch inhaltliche Parallelen zum allerersten „Mission: Impossible“-Film von Brian De Palma. Auch Ethan Hunts neue Mitstreiterin Ilsa Faust, gespielt von der hierzulande relativ unbekannten Schwedin Rebecca Ferguson, weißt, neben einer sehr offensichtlichen Analogie zu Puccinis Oper Turandot, die im Film auch besucht wird, deutliche Ähnlichkeiten zu Hunts Partnerin aus De Palmas „Mission: Impossible“ auf.

Doch vielmehr noch als auf die filmischen Ursprünge des Franchises, zielt „Mission: Impossible – Rogue Nation“ thematisch auf seinen direkten Vorgänger, „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“, ab. Das wäre auch nicht weiter schlimm, zählt doch eben jener Vorgänger dank seiner äußerst homogenen Mischung aus Action und Humor zu einem der besten Blockbuster Titel der letzten Jahre.

Bei „Rogue Nation“ ist diese Mixtur allerdings nicht mehr allzu homogen geraten, im Gegenteil. Den Verantwortlichen Produzenten der „Mission: Impossible“ Reihe ist offenbar nicht entgangen, wie unfassbar erfolgreich beinahe jede Comic-Verfilmung der Marvel Studios ist. Diese Streifen folgen jedoch einer ganz gewissen Formel, welche sich unter anderem durch ein äußerst hohes Maß an Humor, insbesondere Selbstironie auszeichnet. So werden in Marvel Werken nahezu alle Szenen mit einer Art von Pointe aufgelöst, sei es ein cooler Spruch, ein lustiger Schnitt oder ein witziges Musikstück. Ernsthaftigkeit oder Seriosität sucht man hier vergebens.

Und genau das wird „Rogue Nation“ nun zum Verhängnis. Die furiosen Actioneinlagen sind, abgesehen von ein paar sehr verwackelten Kampfszenen, wieder über jeden Zweifel erhaben. Das liegt vor allem daran, dass Tom Cruise die allermeisten seiner Stunts noch immer selbst durchführt, insbesondere die spektakulären. Dass er diesmal dabei nicht mehr das größte Gebäude der Welt erklimmt, sondern „nur noch“ außen an der Tür eines startenden Flugzeugs hängt, ist freilich nicht minder atemberaubend. Dieses Gefühl der Echtheit verleiht derartigen Szenen im Film einen ganz besonderen, adrenalingetränkten Anstrich.

Allerdings wird einigen dieser Momente durch das auch hier angewandte Marvel-Schema schlicht die Spannung entzogen. Nun ist „Rogue Nation“ beileibe kein atmosphärisch dichter Thriller, sondern eben ein unterhaltsamer Blockbuster, dem Humor und eine gewisse Lockerheit gut zu Gesicht stehen. Dennoch muss es eine gesunde Mischung aus Anspannung und Heiterkeit geben und die ist hier nicht immer vorhanden. Exemplarisch verdeutlicht dies ein Einbruch, der etwa zur Hälfte des Films stattfindet. Dieser erinnert anhand seiner Planungsphase und schier unmöglichen Komplexität stark an den Überfall auf das CIA-Hauptquartier in „Mission: Impossible“. Doch im Gegensatz zu seinem geistigen Vorgänger ist der Coup in „Rogue Nation“ nicht von Dramatik und Nervenkitzel geprägt, sondern gleitet dank vereinzelten Slapstick-Einlagen beinahe in Klamauk ab. So verpasst es die fünfte Folge der „Mission:Impossible“-Serie an die Brillianz des Vorgängers anzuknöpfen und verliert sich einmal zu oft in kleinen Späßchen und Spielereien.

Actionfans können dennoch guten Gewissens eine Kinokarte lösen. Es sei denn, sie besitzen ein Faible für bayerische Mittelklassewagen und haben den Geldbeutel etwas locker sitzen. Dann könnte sie dieser Kinobesuch ob der dauernden Product Placements am Ende vielleicht doch teuer zu stehen kommen.

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.