Sabotage

Als Arnold Schwarzenegger im Oktober 2003 zum Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien gewählt wurde, gab es viele Menschen die aus unterschiedlichen Gründen sehr traurig darüber waren. Zum einen natürlich die zahlreichen Kalifornier, die Schwarzenegger nicht gewählt hatten und sich nun vor der Politik eines lustig sprechenden Hollywood-Bodybuilders fürchteten. Zum anderen waren aber auch Filmfans auf der ganzen Welt bedrückt, da die politische Karriere der steirischen Eiche das offensichtliche Aus seiner cineastischen Laufbahn bedeutete.

Doch all diese Leute verfielen vermutlich in unbändige Freudenstürme, als Arnold Schwarzenegger, nach einer bereits geglückten Wiederwahl 2006, sein Amt 2010 niederlegen musste. Seine neugewonnene Freizeit nutzte der Österreicher dann auch sofort, um wieder seiner Lieblingsbeschäftigung zu frönen – der Schauspielerei. Nach Kurzauftritten in THE EXPENDABLES 1&2, folgten mit THE LAST STAND und ESCAPE PLAN zwei eher durchschnittliche Actionfilme (wobei „durchschnittlich“ für THE LAST STAND dringend als Euphemismus verstanden werden muss) und nun also SABOTAGE.

SABOTAGE bringt augenscheinlich auch gar keine schlechten Voraussetzungen für einen unterhaltsamen, kurzweiligen Streifen mit. Die Geschichte um eine DEA Sondereinheit, angeführt von John “Breacher“ Wharton (Schwarzenegger), die sich entschließt, Geld von einem Drogenkartell zu stehlen und anschließend von selbigem gejagt wird, ist schön einfach, um dem Spaß dabei nicht im Weg zu stehen. Zudem wurden dem ehemaligen Mister Universum mit Terrence Howard, Sam Worthington und Mireille Enos auch zweifellos fähige Schauspieler zur Seite gestellt. Darüber hinaus zeichnet mit Regisseur David Ayer (END OF WATCH, STREET KINGS) durchaus ein Experte für Filme im zwielichtigen und harten Verbrechensbekämpfungs-Milieu verantwortlich.

Doch trotz all dieser Prämissen ist SABOTGE zu einem äußerst ennuyanten, uninspirierten und stumpfsinnigen Machwerk verkommen. Die Handlung ist zwar prinzipiell recht simpel, schlägt aber hie und da dennoch einige Haken, um den Zuschauer zu überraschen. Diese Wendungen sind allerdings derart undurchdacht und schlicht nicht nachvollziehbar, sodass sie gewaltige Lücken in das ohnehin schon fragile Gebilde namens Story reißen. Die Motivation der handelnden Charaktere hat dabei mit Logik in etwa so viel zu tun wie das RTL-Fernsehprogramm mit Niveau.

Auch die mitwirkenden Darsteller verbessern diese Situation nicht, im Gegenteil. Obwohl sie zwar alle bis auf wenige, österreichische, Ausnahmen durchaus solide Leistungen abrufen, gibt es dennoch ein gewaltiges Problem: sie verkörpern extrem unsympathische Proleten. Diese sogenannte Spezialeinheit, vermutlich bekannt unter dem Pseudonym „Machos mit Muskeln“, besteht aus einem Haufen testosteronschwangerer Rüpel und einer Frau, die, um nicht aufzufallen, die dümmsten Sprüche der gesamten Truppe klopft. Dabei tragen allesamt ebenso gefährliche wie nichtssagende Namen à la Grinder, Monster, Pyro oder Sugar, trinken die meiste Zeit Alkohol, pöbeln und tätowieren sich selbst um ihrer unumstößlichen Lässigkeit den letzten Schliff zu verpassen. Durch solcherlei überzogene und reißerische Darstellung von Männlichkeit und vermeintlicher Coolness nervt SABOTAGE auf Dauer jedoch nur noch und gerät überdies stellenweise unfreiwillig komisch.

Zu guter Letzt schafft es auch David Ayer nicht mehr, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Denn selbst dort, wo der Film am meisten glänzen müsste, weiß er ebenfalls nicht zu überzeugen. Über die lückenhafte Geschichte, ja selbst über die vollends idiotischen Charaktere könnte man mit viel Wohlwollen noch hinwegsehen, wenn wenigstens die Actioneinlagen zu imponieren wüssten. Doch auch die zahlreichen Schießereien beeindrucken audiovisuell nicht gerade. Ein paar nette Perspektivspielereien hier, ein paar wuchtige Waffengeräusche dort, mehr lässt sich den Schusswechseln leider nicht abgewinnen. Zu wenig Innovatives oder zumindest Eindrucksvolles wird einem hier geboten. In Anbetracht des restlichen Films ist das schlicht zu wenig.

So ist also auch Arnold Schwarzeneggers dritte Hauptrolle nach seiner politischen Laufbahn nicht gerade als Volltreffer zu verbuchen. Mit Fortsetzungen und Reboots von TWINS, TERMINATOR und CONAN wird er demnächst in drei seiner alten Paraderollen zurückkehren und darauf hoffen, an alte Erfolge anzuknüpfen, um seine Fans glücklich zu machen. Zumindest, dass er nicht mehr Gouverneur werden kann macht einige Kalifornier jetzt schon sehr froh.

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.