Sherlock Holmes – Spiel im Schatten

Sherlock Holmes gilt weithin als Archetyp des klassischen Detektivs und ist wohl eine der berühmtesten Figuren der Literatur des letzten und vorletzten Jahrhunderts. Der ebenso schrullige wie geniale Ermittler, mit Apartment in der Baker Street 221b in London, besticht vor allem durch sein rationales Denken, seine unglaubliche Kombinationsgabe und sein eidetisches Gedächtnis.
Bereits 1886 von dem britischen Arzt und Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle ins Leben gerufen, erfreut sich Holmes zusammen mit seinem Partner Dr. Watson seit einigen Jahren wieder ungeheurer Beliebtheit. Dies liegt hauptsächlich an der Modernisierung des Stoffes durch Guy Ritchies „Sherlock Holmes“ von 2009 und der britischen Fernsehserie „Sherlock“ aus dem Jahre 2010, welche die Geschichte sogar komplett in die Neuzeit verlagert. Kein Wunder also, dass es sich Guy Ritchie nicht nehmen ließ eine Fortsetzung zu seinem Überraschungshit zu drehen.

Diesmal steht die Hochzeit von Dr. John Watson (Jude Law) unmittelbar bevor. Sehr zum Leidwesen von Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.), der seine Fälle aufgrund der Verlobung seines langjährigen und treuen Partners seit geraumer Zeit alleine lösen muss. So auch die Bombenanschläge die seit kurzem Europa in Angst und Schrecken versetzen. Im Gegensatz zur Politik und den Medien, die hierfür eine Gruppe von Anarchisten verdächtigen, hat Holmes bereits eine ganz bestimmte Person als Verantwortlichen ausgemacht: Professor Moriarty (Jared Harris). Der gleichsam brillante wie gemeingefährliche Wissenschaftler sieht es als Spiel an, sich mit Holmes intellektuell zu duellieren und dabei seinen teuflischen Plan zu verwirklichen. Schon beim Junggesellen-Abschied von Dr. Watson kommt es zu einem Zwischenfall. Dabei lernt Holmes die undurchsichtige Wahrsagerin Madam Simza Heron (Noomi Rapace) kennen. Ihr Bruder ist verschwunden und hat einen kryptischen Brief hinterlassen, den Holmes Moriarty entwenden konnte. Gemeinsam machen sich Sherlock Holmes, Dr. Watson mit Madam Simza auf die Suche nach deren Bruder und versuchen Professor Moriarty davon abzuhalten, Europa in ein totales Chaos zu stürzen.

„Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ macht genau da weiter wo „Sherlock Holmes“ aufhörte. Dies bedeutet aber auch, dass Guy Ritchie die Figur einmal mehr auf sehr flotte und actionlastige Art interpretiert hat. Jeder der damit bereits in Teil 1 nichts anfangen konnte, wird auch an diesem Ableger keinen Gefallen finden. Alle anderen kommen jedoch wieder voll auf ihre Kosten. Vor allem der allgegenwärtige Humor, manchmal trocken-sarkastisch, dann wieder subtilunterschwellig, aber immer durch und durch britisch, macht diesen Film derart sehenswert. Besonders im Vordergrund stehen hierbei die Kabbeleien zwischen Holmes und Watson. Dies liegt vornehmlich an der tollen Neuinterpretation der Charaktere durch die beiden Schauspieler, in erster Linie Robert Downey Jr.. Der macht mit unerschütterlicher Lässigkeit als, ob seiner Genialität leicht überheblicher, enorm schlagkräftiger und nie um einen flotten Spruch verlegener Meisterdetektiv einen wunderbaren Job. Aber auch Jude Law in seiner Eigenschaft als sturer Gegenpol Dr. Watson, der seinerseits ebenfalls nicht auf den Mund gefallen ist, weiß zu überzeugen. Darüber hinaus sprüht der Film nur so vor Selbstironie. Die aus dem Vorgänger bekannten Kampfszenen, in denen Sherlock Holmes seine Schlagfolgen und Trefferzonen zuvor beschreibt, werden vom Regisseur diesmal ebenso auf die Schippe genommen wie die herrlich überzeichneten Verkleidungen des Detektivs. Besonderes Highlight ist hier das Kostüm, das als Hommage an den Spion in „Asterix und Kleopatra“ verstanden werden darf.
Dass Guy Ritchie ein außergewöhnliches Händchen für wundervoll schwarzen Humor hat, war bereits hinlänglich bekannt, dass er aber auch eine außerordentliches Talent für die Inszenierung furioser Actionsequenzen hat, stellt er hier eindrucksvoll unter Beweis. An allen Ecken und Enden wird geschossen, geprügelt oder es explodiert etwas. Dabei setzt Ritchie geschickt schnelle Schnittfolgen und Zeitlupen-Elemente in Kontrast zueinander. Dieses Konzept wurde bei einer Verfolgungsjagd in einem Wald besonders imposant umgesetzt. Ständig zerbersten Bäume und allerhand Geäst in extremer Zeitlupe, während die Kampfhandlungen dazwischen enorm furios und atemberaubend schnell gefilmt wurden. Zudem erschüttern Explosionen das gesamte Gebiet und hüllen die Szenerie in gespenstischen Rauch. Eine derart stilvolle und handwerklich nahezu perfekt umgesetzte Actioneinlage bekam man schon lange nicht mehr zu Gesicht. Guy Ritchie schafft es also erneut in äußerst beeindruckender Manier dem weltberühmten Ermittler Sherlock Holmes neues Leben einzuhauchen und die Figur so noch beliebter zu machen, soweit dies überhaupt möglich ist.

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.