Skyfall

Es war das Jahr 2002, als mit „Stirb an einem anderen Tag“ der 20. Teil der berühmten Geheimagenten-Filmreihe um Weltenretter und Schwerenöter James Bond in die Kinos kam und beinahe wäre es wohl die letzte Episode geworden. Denn der gesamte Film war ebenso plump und stumpfsinnig wie sein Titel, versprühte so viel Flair wie ein Stapel Holz und um dem Ganzen schließlich die Krone aufzusetzen, konnte sich Bonds Dienstwagen auch noch unsichtbar machen. Danach war den Verantwortlichen, allen voran Rechteinhaberin Barbara Broccoli, klar: ein Neustart muss her. Nach langer Suche fand man mit Daniel Craig einen passenden Nachfolger für Pierce Brosnan und änderte gleichzeitig auch das Konzept der Serie. Die extravaganten Gadgets wurden ersatzlos gestrichen und der Charme wurde gegen Muskelmasse eingetauscht. Die gesamte Grundstimmung wurde so etwas realistischer und ernster. Doch nach Craigs Amtsantritt in „Casino Royale“ und dessen Nachfolger „Ein Quantum Trost“ bleibt eine Frage offen: sind das noch waschechte, typische James Bond Filme oder eben nur mehr hervorragende Actionstreifen? Der neueste Ableger „Skyfall“ schafft hierbei ein für alle Mal Klarheit.

Doch zuvor steht wieder einmal nichts Geringeres als die Rettung der freien Welt auf dem Plan. Diesmal muss Bond (Daniel Craig) einen USB-Stick mit äußerst brisanten Informationen sicherstellen. Denn auf diesem befinden sich die Identitäten sämtlicher verdeckter NATO-Agenten, die sich gerade rund um den Globus im Einsatz befinden. Doch die Operation misslingt, 007 wird schwer verwundet und Terroristen können mit den Daten entkommen. Nur wenige Tage später landen die Personalien von fünf Agenten im Internet, zusammen mit Videos ihrer Hinrichtung und der Drohung, jede Woche fünf weitere Namen zu veröffentlichen. Die Chefin des MI6, M (Judi Dench), sieht sich daher immer schwerwiegenderer Kritik gegenüber, sowohl seitens der Öffentlichkeit als auch vom neuen Koordinator des Geheimdienstes, Gareth Mallory (Ralph Fiennes). Die Zeit drängt also und Bond muss schleunigst den Drahtzieher der Angriffe finden. Dies gestaltet sich jedoch alles andere als einfach, denn der scheint sich bestens innerhalb des MI6 auszukennen.

Regisseur Sam Mendes war sich der weitreichenden Folgen sehr wohl bewusst, die „Skyfall“ auf die zukünftige Ausrichtung des James Bond Franchises haben würde. Und so positioniert sich der Film auch ganz eindeutig. „Alt ist besser“, lautet das Motto, das einem hier in zahlreichen Dialogen beinahe entgegen gebrüllt wird und verdeutlichen soll: es geht zurück zu den Anfängen. Dies bedeutet aber zugleich, den James Bond der Roger Moore oder Pierce Brosnan Ära, der sich seinen Weg meist mithilfe technisch modifizierter Uhren, Autos und allerhand anderer Gerätschaften bahnte, wird es, zumindest mit Daniel Craig als Hauptdarsteller, nicht mehr geben. Zwar hat die Figur des Meistertüftlers Q nach einiger Abstinenz wieder Einzug in die Reihe erhalten, doch sie gibt den Tenor der zukünftigen Teile ebenfalls klar vor. Auf die Frage Bonds, warum er für seine Mission lediglich eine Waffe und einen kleinen Peilsender bekommt, antwortet Q trocken: „Was haben Sie denn erwartet? Explodierende Stifte? So etwas machen wir nicht mehr.“.

Die Ausrüstung fällt von nun an also wesentlich überschaubarer, wesentlich unspektakulärer aus, ganz wie zu Anfang eben, wie zur Zeit von Sean Connery. Connerys ikonische und stilbildende Verkörperung des Doppelnull-Agenten diente hierbei auch ein ums andere Mal als Inspiration, respektive Vorlage. Von den maßgeschneiderten, grauen Tom Ford Anzügen, bis hin zu einigen wundervollen Hommagen und nostalgischen Momenten, vieles erinnert an den Beginn der Serie. Auch das wunderbare Titellied von Adele beschert dem Zuschauer sofort dieses wohlige Bond-Feeling und steht dabei ganz in der Tradition von Klassikern wie „Goldfinger“ oder „GoldenEye“.

Trotz allen Gemeinsamkeiten und Anspielungen schafft es Daniel Craig jedoch nicht, Sean Connerys Leichtigkeit nachzuempfinden. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn Craigs James Bond kommt primär über die körperliche Anstrengung und die Kraft. Das zahlt sich vor allem in den zahlreichen, extrem wuchtigen und teilweise auch sehr furiosen Actioneinlagen aus, die Einstiegssequenz ist hierfür ein atemberaubendes Beispiel. Dabei werden die Szenen immer mal wieder durch den typisch britischen Humor, herrlich schwarz und herrlich trocken, aufgelockert. Und natürlich kommen auch die, für einen Bond Film unverzichtbaren One-Liner nicht zu kurz.

„Skyfall“ fühlt sich also endlich wieder wie ein waschechter Teil der James Bond Reihe an und ist durch die etwas ernstere Atmosphäre gleichzeitig einer der besten seit langer Zeit. Dies liegt nicht zuletzt an der, erneut großartigen schauspielerischen Darbietung von Javier Bardem. Wie schon in „No Country For Old Men“ mimt Bardem einen unfassbar beängstigenden Antagonisten mit äußerst zweifelhafter Frisur. Doch egal wie phänomenal der Spanier auch jedes Mal spielt, mit derartigen Haarprachten wird er nie stilbildend werden.

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.