Star Wars – Das Erwachen der Macht

Es war ein Tag im Oktober 2012 als eine Million Seelen plötzlich vor Angst aufschrien und dann verstummten. Nun ja, ganz so schlimm war die Reaktion auf den Verkauf von Lucasfilm an den Disney-Konzern dann wohl nicht, zumal vor allem Star Wars Fans nicht dafür bekannt sind, mit ihrer Meinung hinter dem Berg zu halten. Und doch war ein Großteil der Fangemeinde zunächst nicht gerade begeistert. Zwar lagen die Rechte der Sternensaga nun endlich nicht mehr bei George Lucas, der zwar Schöpfer und intellektueller Vater dieses riesigen Universums ist, sich mit der katastrophalen Prequel-Trilogie aber jedweden Kredit bei der Anhängerschaft verspielte.

Doch ausgerechnet Disney sollte nun zukünftig die Geschicke leiten? Das Unternehmen, das wie kein zweites für Massenmarkt-Medien und Kindertauglichkeit steht? Die Angst vor einer weiteren filmischen Bankrotterklärung á la Jar Jar Binks wuchs. Doch der Maus-Konzern war sich seiner Verantwortung gegenüber den zuweilen fanatischen Fans sehr wohl bewusst. Nicht ohne Grund wurde Star Wars Fan der ersten Stunde und Hype-Entfacher vom Dienst, J.J. Abrams, als Regisseur verpflichtet. Der stellte auch sofort klar: die Greenscreen Orgien der Prequels gehören der Vergangenheit an. Wurde in der ursprünglichen Trilogie noch viel mit aufwändigen Modellen, Figuren und Requisiten gearbeitet, entschied sich Lucas bei Episode I bis III dazu, nahezu alles Nichtmenschliche vom Computer berechnen zu lassen. Das Ergebnis war ein visuelles Desaster.

„Star Wars – Das Erwachen der Macht“ macht aus der Not von damals nun eine Tugend und setzt ebenfalls wieder auf reichlich handgemachte Ausstattung. Unterstützt durch CGI-Effekte entsteht so ein äußerst homogenes Gesamtbild und ein einzigartiges audiovisuelles Erlebnis. Die ganze Welt fühlt sich lebendig und glaubhaft an und Städte sowie Siedlungen wirken aufgrund des hervorragenden Setdesigns organisch. Die außerirdischen Besucher einer Bar etwa sind allesamt Schauspieler, verborgen hinter aufwändigsten Masken, Kostümen und teilweise überlebensgroßen Puppen. Diese Sequenz erinnert nicht nur hinsichtlich der Musik an die berühmte Cantina-Szene aus Episode IV und erzeugt dabei das gleiche Gefühl einer echten, atmenden Umwelt.

Gleichzeitig glänzen die rein am Computer entstandenen Szenarien dadurch, dass sie in eine nachvollziehbare Umgebung eingebettet sind. So entstehen etwa spannende Raumschlachten und Verfolgungsjagden, die technisch und inszenatorisch über jeden Zweifel erhaben sind. Laserstrahlen zischen durch die Luft während Raumschiffe waghalsige Manöver vollführen, die Kamera ist dabei stets mittendrin und nah am Geschehen, ohne dass es jedoch unübersichtlich gerät. Ohnehin beweist Abrams hier ein feines Gespür für packende Einstellungen und ansprechende Bildkompositionen. Eine anfliegende Tie Fighter Staffel vor tiefstehender Sonne (Hallo „Apocalypse Now“) oder ein Lichtschwert-Duell im Schnee (Hallo „Kill Bill Vol. 1“), samt Reflektionen in Gesichtern und Umgebung, sind nur einige Beispiele für äußerst schöne cineastische Momente in „Das Erwachen der Macht“.

Neben dem Effekt-Overkill wurde den Prequels vor allem auch die völlig an den Haaren herbeigezogenen Geschichte an der Grenze zur Lächerlichkeit vorgeworfen. So plump hatte man sich die Entstehung von Darth Vader wahrlich nicht vorgestellt. Episode VII knüpft nun drei Jahrzehnte nach den Geschehnissen von „Rückkehr der Jedi-Ritter“ an. Aus den Überresten des Imperiums hat sich die Erste Ordnung gebildet, die unter der Führung eines mysteriösen Wesens namens Snoke (Andy Serkis) die Republik vernichten will. Doch der Widerstand unter Leia Organa (Carrie Fisher) versucht dies mithilfe von Luke Skywalker (Mark Hamill) zu verhindern. Das Problem dabei: Skywalker ist verschwunden. Nachdem dieser eine Akademie zur Ausbildung junger Jedis gründete, bekannte sich ein Schüler zur dunklen Seite der Macht und zog eine Schneise der Verwüstung nach sich. Von seiner eigenen Schuld überzeugt, flüchtete Luke in ein unbekanntes Exil. Die Plünderin Rey (Daisy Ridley) und der ehemalige Sturmtruppler Finn (John Boyega) sind in der Zwischenzeit auf eine unvollständige Karte vom Aufenthaltsort Skywalkers gestoßen. Die nach Abenteuern strebende Rey und der von den Gräueltaten seiner früheren Einheit angewiderte Finn versuchen diese Daten nun mithilfe von Han Solo (Harrison Ford) dem Widerstand zu überbringen bevor sie Kylo Ren (Adam Driver), einem fanatischen Verehrer Darth Vaders, und der Ersten Ordnung in die Hände fallen.

Da es sich bei der Star Wars Saga seit jeher um waschechte Märchen im Science-Fiction-Gewand handelt, fällt auch die Handlung von „Das Erwachen der Macht“ nicht allzu elaboriert oder gar komplex aus. Allerdings ist sie im Gegensatz zu der neuen Trilogie endlich wieder nachvollziehbar, in sich schlüssig und innerhalb des Fabel-Gerüsts auch stimmig. So kommt vor allem durch die Figur des Kylo Ren bereits in den ersten Minuten eine Art von Gefahr und Bedrohung auf, die deutlich macht, diese Geschichte nimmt sich endlich wieder selbst ernst.

Diese Ernsthaftigkeit wird dann zuweilen leider wieder von zu viel Klamauk untergraben. Natürlich, auch die ersten Star Wars Teile hatten Humor und „Das Erwachen der Macht“ soll keinesfalls zu einem lebensverneinenden Film von Lars von Trier geraten. Komik gehört bei gelungener Popcorn-Kino Unterhaltung zwingend dazu. Doch ab und zu übertreibt es „Das Erwachen der Macht“ mit flapsigen Sprüchen und Slapstickeinlagen. Vor allem die Kombination Fin und Rey gepaart mit dem Roboter BB-8 schießt dabei beizeiten über das Ziel hinaus. Auch die Zitate aus den alten Filmen, als Verneigung vor den Fans gedacht, nehmen vereinzelt etwas Überhand. Natürlich ist es schön, wenn Han Solo Anspielungen an vergangene Tage zum Besten gibt, doch wenn ganze Dialoge nur aus Versatzstücken alter Wortlaute bestehen, wirkt das beinahe etwas anbiedernd.

Auch das höchst emotionale und packende Finale kann sich der Kritik nicht erwehren, es hätte die Blaupause von Episode IV etwas zu genau studiert. Die Struktur und der Aufbau des letzten Drittels beider Filme ähneln sich in einigen Fällen nämlich frappierend. Doch um ehrlich zu sein, ist es einfach zu verlockend der originalen Trilogie, die für manche Menschen sogar eine Art Religion bedeutet, zu huldigen. So fängt auch diese Filmbesprechung nicht mit einem eigenen, originellen Gedanken an, sondern mit einem Zitat aus Episode IV.

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.