The Amazing Spider-Man

Der siebzehnjährige Peter Parker (Andrew Garfield) lebt, seit er vier Jahre alt ist bei seinem Onkel Ben (Martin Sheen) und seiner Tante May (Sally Field). Seine Eltern haben ihn dort hastig abgeladen, als bei ihnen eingebrochen wurde und sind verschwunden.
Peter ist ein normaler Teenager: Er besucht eine High School, hat gute Zensuren, Selbstbewusstsein und ein gutes Herz. Trotzdem ist er ein Einzelgänger. Als er auf einen Hinweis stößt, der Licht auf das Verschwinden seiner Eltern werfen könnte, führt ihn dieser zu Doktor Connors (Rhys Ifans), einem alten Arbeitskollegen seines Vaters. Er arbeitet im Labor von OsCorp an arten-übergreifenden Genkreuzungen. Dort wird Peter von einer genmanipulierten Spinne gebissen, was einige Veränderungen nach sich zieht: Er kann Wände erklimmen, ist agiler und stärker denn je und verfügt über gesteigerte Wahrnehmungsfähigkeiten.
In der Verkleidung des Spiderman macht sich Peter Parker auf Verbrecherjagd. Erschwert wird ihm sein Vorhaben durch Captain Stacy (Denis Leary), der für die Ergreifung des Vigilanten zuständig und ausgerechnet der Vater von Peters Freundin Gwen (Emma Stone) ist.
Als sich schließlich Doktor Connors in den Lizard, eine Mischung aus Mensch und Reptil, verwandelt, ist Spider-Man der einzige, der den verrückten Plänen des fehlgeleiteten Forschers Einhalt gebieten kann…

Der Reboot der Spider-Man-Serie hat sich zum Ziel gesetzt, eine neue, unerzählte Geschichte rund um den Teenagerhelden zu spinnen. Und das ist ihm Mal besser, Mal weniger gut gelungen: Die dem Helden zugrunde gelegte Motivation ist wie in der älteren Trilogie, die der Schuld. Wenngleich der Anstoß für Peters Wandel zum Helden, wie in den Filmen aus der ersten Dekade dieses Jahrtausends, der Tod seines Onkel Bens ist, so ist dies nicht mehr der zentrale Antrieb der Figur. Vielmehr fühlt sich Parker verantwortlich für die Existenz des Lizards, der erst durch sein Zutun erschaffen werden konnte und auf Parkers Vater zurückzuführen ist. Peters Schuld entsteht schließlich aus dem, wenn auch aus edlen Motiven resultierenden, Missbrauch seines Vermächtnisses.
Generell wird Peter stark durch seine Vergangenheit geprägt. Die Geschichte nimmt erst durch Peters Nachforschungen nach seinen Eltern ihren Lauf und auch die der Spider-Man-Figur inhärente Philosophie stammt letztlich von seinem Vater: Der 2000 noch so klar formulierte Grundsatz „Aus großer Kraft, folgt große Verantwortung.“, wird von Onkel Ben nur paraphrasiert überbracht. Soweit eine erfrischende Herangehensweise an den, nach Spider-Man 3 (2007), leicht angestaubten Charakter. Hinzu kommt, dass Andrew Garfield (The Social Network) eine überzeugende neue Version des Helden darbietet, egal ob als Spider-Man – mit agilen Bewegungen, die sich ähnlich schwer erfassen lassen, wie die der Spinne, die im Flur über den Boden huscht – oder als Teenager, der verlegen um ein Date fragt und sogar während er auf seinen Gegner wartet auf dem Handy herumspielt.
Diese Liebe zum Detail erstreckt sich jedoch leider nicht über den gesamten Film. So geht die Entwicklung vom Teenager zum Helden sehr zügig von statten: In zu wenigen Minuten, lernt Peter Parker seine neugewonnen Fähigkeiten zu kontrollieren, durch Eigenkreationen wie den Webshootern zu ergänzen und die anfängliche Überheblichkeit nur in gesundem Maße zum Vorschein kommen zu lassen. Es wirkt ein wenig überhastet, so als hätte man nicht wirklich Lust gehabt diesen Teil der Geschichte noch einmal zu erzählen.
An anderer Stelle wird diese Nachlässigkeit jedoch wieder wett gemacht. Die Transformation in ein anderes Wesen, wird fantastisch inszeniert, vor allem durch die sichtlichen Veränderungen des Habitus und die Adaption der neuen Fähigkeiten bei Spider-Man. Wenn Peter sich zum Lesen, in einer Zimmerecke von der Decke hängt oder ein Netz baut, in dem er auf seine Beute wartet und wie eine Spinne auf die Vibrationen des Netzes achtet. Auch beim Lizard wird auf diese Nähe zum Tier geachtet, wenn er in einer Szene seinen Schwanz verliert, der ihm sofort wieder nachwächst oder sich als Rückzugsort die feuchte Kanalisation Manhattans aussucht. Es ist nicht mehr nur das Krabbeln an den Wänden und das Herumschwingen an Spinnenfäden, das Spider-Man als Spider-Man identifiziert. Es ist eine neue Lebensweise, die damit einhergeht.
Alles in Allem überzeugt die Umsetzung von Regisseur Marc Webb ((500) Days of Summer). Doch einen Wermutstropfen bietet die Geschichte aus der Feder von James Vanderbilt (Basic, Zodiac) leider noch: Den Pathos der Zivilcourage und des amerikanischen Patriotismus kann auch diese Spider-Man-Verfilmung nicht hinter sich lassen. An einer gewissen Stelle muss der Held scheinbar immer in eine Situation geraten, aus der ihm nur noch die Bürger, vor wehenden rot-weiß gestreiften Flaggen, helfen können. Eine theatralische Inszenierung, die zumeist, wie auch in diesem Film, aufgesetzt wirkt und daher einen lästigen Beigeschmack mit sich bringt.

Maximilian Riemer

Maximilian Riemer ist Kino-Experte aus Leidenschaft. Ein guter Film gehört zweifelsohne zu den schönsten Dingen, die ihm über den Weg laufen könnten. In seinen Filmkritiken versucht er auch die technische Seite hinter den Filmen zu beleuchten und gibt dabei interessante Einblicke in das Handwerk.