The Counselor

Gemessen daran, dass er Rechtsberater ist und anderen Menschen ihre Fragen beantworten soll, ist der Counselor (Michael Fassbender) doch sehr bemüht Rat in jeder Lebenslage einzuholen. Es scheint jedoch nicht viele eindeutige Antworten für ihn zu geben in einer ansonsten sehr kompromisslosen Welt. Obwohl jeder scheinbar etwas weiß, versetzt ihr Wissen sie gleichzeitig in Ratlosigkeit. Aber jeder weiß genau, er kann froh sein nicht in der selben Lage zu sein wie der Counselor – oder zumindest einen Ausweg aus dieser zu haben – denn er befindet sich in einer ausweglosen Situation: Er wird dafür verantwortlich gemacht, dass eine große Lieferung Drogen für das Kartell verloren ging und dafür müssen Köpfe rollen. Nun, wie findet man einen Ausweg aus einer ausweglosen Lage?
Diese Frage diskutiert der Film THE COUNSELOR (2013) von Regisseur Ridley Scott [BLADERUNNER (1982), GLADIATOR(2000)] und aus der Feder von Cormac McCarthy, dessen Geschichten schon Vorlage für Filme wie NO COUNTRY FOR OLD MEN (2007) oder THE ROAD (2009) waren.
Die unterschiedlichen Haltungen der Figuren gegenüber dem Determinismus einer Welt ohne Zufälle umkreisen obige Frage, denn das wird klar gemacht: es gibt keine Zufälle. Ohne Zufälle ergibt sich für die Narration eine Verkettung von Ursache und Wirkung, die man sogar im Kontext des Hollywood-Kinos als puristisch bezeichnen muss. Gefangen in einer Abfolge von Geschehnissen versuchen die Charaktere Herr ihrer Lage zu werden und scheitern ob der Absenz einer Macht, die sie doch so gerne hätten. Ihrem Glauben im Besitz von Entscheidungskraft und Handlungsmacht zu sein verleihen die Figuren Ausdruck durch tarrantinoesque Eloquenz in Gesprächen die mit Andeutungen und Infragestellungen Pingpong spielen.
Aus dieser Erzählweise, die nicht auf erzwungene Story-twists, glückliche Fügungen oder verkannte Helden baut, ergibt sich eine nüchterne Klarheit, die auch im filmischen Stil reflektiert wird: Gedeckte Farben und unauffällige Schnittmuster gemeinsam mit einer unaufgeregten Kameraführung unterstreichen die Sachlichkeit der Ereignisse und lassen gleichermaßen den Schauspielern Platz um ihren Zauber zu entfalten, egal ob in Dialogen oder Actionsequenzen. Und das ist gut so, denn Michael Fassbender, Cameron Diaz, Javier Bardem, Penélope Cruz und Bratt Pitt und die Figuren, die sie verkörpern, brauchen in diesem Film kein Spektakel um einen zu Unterhalten und das implizite Thema des Films zu diskutieren.
Einzig die teils sehr bemühte Verschleierung expliziter Äußerungen, kann bisweilen übertrieben wirken, wenn Metapher an Metapher gereiht wird. Aber daran stört sich in der Poesie ja auch niemand, oder?

Maximilian Riemer

Maximilian Riemer ist Kino-Experte aus Leidenschaft. Ein guter Film gehört zweifelsohne zu den schönsten Dingen, die ihm über den Weg laufen könnten. In seinen Filmkritiken versucht er auch die technische Seite hinter den Filmen zu beleuchten und gibt dabei interessante Einblicke in das Handwerk.