The Expandables 2

Sieht man sich einen Actionfilm aus den 80er und 90er Jahren an, stößt man zumeist auf das Konterfei einer dieser Herren: Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis, Jean-Claude Van Damme, Dolph Lundgren oder Chuck Norris. Sie waren damals die Ikonen ihrer Zunft und prügelten und schossen sich mal durch Hochglanz-Produktionen, mal durch ziemlichen Schund. Bis auf Bruce Willis und Sylvester Stallone, welcher gelegentlich seine früheren Werke neu auflegt, verschwanden die anderen nach und nach von der großen Leinwand um sich anderen Projekten zu widmen, oder auch um Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien zu werden. Bis Sylvester Stallone auf die Idee kam, all die alten Größen in einem Film zu vereinen. Aus dieser Idee entstand 2010 schließlich „The Expendables“, ein vor Kraft und Männlichkeit nur so strotzender Actionfilm. Damals waren Chuck Norris und Jean-Claude Van Damme jedoch nicht mit von der Partie und um dies nun zu ändern, wahrscheinlich aber vor allem weil „The Expendables“ weltweit beinahe das vierfache seiner Produktionskosten an den Kinokassen einspielte, erscheint nun mit „The Expendables 2“ die Fortsetzung.

Im zweiten Teil hat sich gegenüber dem Vorgänger anfangs wenig getan. Die Expendables unter der Führung von Barney Ross (Stallone) sind immer noch als knallharte Söldner unterwegs, um gegen einen nicht zu knappen Obolus die Krisenherde dieser Welt aufzuräumen. Allerdings hat die Truppe Verstärkung bekommen, Bill (Liam Hemsworth) ist als ehemaliger US-Soldat frisch aus dem Krieg zurück und will sich bei den Expendables nun etwas dazu verdienen. Soweit so bekannt also, wäre da nicht noch der dubiose CIA-Agent Mr. Church (Willis), der von Barney Ross eine alte Schuld einfordert. Er zwing ihn zu einer Mission im albanischen Umland, wo Ross und seine Männer den Inhalt eines Safes aus einem abgeschossenen Flugzeug bergen sollen. Zu diesem Zweck stellt Church den Expendables Maggie (Nan Yu) an die Seite, die in der Lage ist den Safe zu knacken. Doch am Flugzeug angekommen, merken sie schnell, dass sich auch noch andere Leute für den mysteriösen Inhalt interessieren. Unter anderem der Terrorist Vilain (Van Damme), dem es mit seinen Schergen sogar gelingt, mitsamt der Fracht zu entkommen. Doch er hat seine Rechnung ohne die Expendables gemacht.

Protagonist und Autor Sylvester Stallone, beim Vorgänger zusätzlich noch für die Regie verantwortlich, hat diesen Part nun an Simon West abgegeben, der durch „Con Air“ bereits einige Erfahrung im Umgang mit großen Staraufläufen in Filmen sammeln konnte. Die ist auch bitter nötig um solch eine Armada an Altstars ordentlich zu dirigieren. Sicher sind diese Schauspieler nicht die größten Charakter-Darsteller und die wenigsten von ihnen werden wohl je in einem Shakespeare-Stück auftreten. Das macht aber auch nichts, denn dafür wurden sie nicht berühmt. Sie wurden berühmt für kernige Sätze, coole Minen, toughes Auftreten und jede Menge harte Action. Und genau deshalb sind sie in „The Expendables 2“ richtig.

Denn auch „Expendables 2“ ist kein literarisches Meisterwerk, der Plot passt auf einen sehr kleinen Bierdeckel und hat dabei noch mehr Logiklücken als es Löcher in einem Schweizer Käse gibt. Aber genau wie seine Darsteller, überschätzt sich auch der Film nicht und weiß genau, was von ihm verlangt wird, nämlich ein Action-Spektakel im XXL-Format. Und das liefert er auch ab. Hier fliegen ganze Straßenzüge in die Luft, es wird ständig gekämpft und geschossen. Dabei spielt es keine Rolle ob dies in der Luft, zu Wasser oder an Land stattfindet, es vergehen selten zwei Minuten ohne dass etwas explodiert oder jemand umkommt. Die Opferzahl in diesem Film könnte dabei locker mit der Einwohnerzahl San Marinos konkurrieren.

Doch glücklicherweise nimmt sich der Film darin alles andere als Ernst. So verballhornen sich die Stars etwa laufend selbst und hauen sich gegenseitig ihre berühmtesten Zitate aus anderen Filmen um die Ohren. Oder Chuck Norris, allein seiner erster Auftritt in diesem Film ist ein wahres Ironie-Festival, zitiert einfach selbst eine dieser berühmt-berüchtigten Fakten, die seit Jahren über ihn im Internet kursieren. Diese ganze selbstironische, augenzwinkernde Haltung, lässt einen dann auch gerne über die eigentlich augenscheinliche Stumpfsinnigkeit hinwegsehen, das Motto von „The Expendables 2“ lautet ganz eindeutig: Hirn aus, Feuerwerk an.

Gerüchten zufolge soll Sylvester Stallone auch bereits an einem dritten Teil arbeiten. Für weitere Rollen sind dabei vorgesehen: Steven Seagal, Nicolas Cage, Harrison Ford und Clint Eastwood.

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.