The Hateful Eight

Es ist bereits der zweite Film innerhalb kurzer Zeit, der sich in westernähnlichen Genregefilden aufhält. Der erste war THE REVENANT von Alejandro González Iñárritu und er war ein naturalistischer Historien-/ Survivalfilm in den 1820er Jahren, als die USA noch eine junge Republik war und der Beschluss der Bill of Rights auch noch nicht allzu lange zurücklagt, also noch vor dem amerikanischen Bürgerkrieg. THE HATEFUL EIGHT (der 8te Film) von Quentin Tarrantino hingegen spielt nach dem Bürgerkrieg, aber in der Zeit in der sich so manch einer noch daran gewöhnen muss, dass Afroamerikaner keine Sklaven mehr sind. Auch Tarrantinos Western ist kein klassischer Western, sondern eben eher ein Tarrantino.

Acht Gestalten suchen während eines Blizzards in einer Hütte irgendwo im Nirgendwo in Wyoming Schutz, darunter der Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell) mit seiner Gefangenen Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh), auf die ein horrendes Kopfgeld ausgesetzt ist. So die Ausgangssituation für Tarrantinos Version eines Kammerspiels. Auf engstem Raum versuchen die Charaktere ihre Gegenüber zu durchschauen und sich vorteilhaft zu positionieren. Sie erzählen sich ihre Geschichten und versuchen sich aus der Reserve zu locken – wie immer sehr Bedeutungsschwanger aber humorvoll, wie man das schließlich erwartet. Und soweit auch so gut, sind die Figuren schließlich mit Schauspielern besetzt, denen man auch mit Freude zuhören würde, wenn sie Kauderwelsch redeten: Samuel L. Jackson als Major Marquis Warren, seines Zeichens ebenfalls Kopfgeldjäger, begnadeter Schütze und Kriegsheld oder Tim Roth, der mit seinem Bart und seiner Prosodie dann auch wieder von Christoph Waltz hätte verkörpert werden können.

Nunja, es stellt sich dann doch irgendwo das Gefühl ein, es gebe im Westen nicht allzu viel Neues: Rassismus, Machtspielchen und Erzählungen ähnlich wie in DJANGO UNCHAINED (2012) zuletzt. Gut, ein paar neue Tabus werden schon wieder gebrochen und auch wenn die 70mm-Version nur in wenigen ausgewählten Kinos stattfindet, so verbreitet zumindest die Intermission und Tarrantinos anschließende Zusammenfassung einen Hauch erfrischender Nostalgie, die sich aus der Romantisierung von Vaters Erzählungen, wie das Kino denn einst mal gewesen sei, eingebildet wird. Irgendwie neu, weil alt.

Um Missverständnissen vorzubeugen: THE HATEFULL EIGHT ist ein sehr unterhaltsamer Film – nur die Erwartungen lagen höher. Wie auch um THE REVENANT, ist um THE HATEFULL EIGHT im Vorfeld viel Trubel entstanden, sowohl auf technischer, als auch auf personeller Seite: Des einen 70mm und Roadshow war des anderen ALEXA65, nur vohandenes Licht und die harten Produktionsumstände. Bekommt Leonardo DiCaprio endlich einen Oscar? Und was ist mir Ennio Morricone? Die Frage lautet inzwischen eigentlich nur noch ob ein Film dem Hype gerecht wird. THE REVENANT hat einen trotzdem aus den Socken gehauen, während Tarrantinos 8ter Film einen lediglich mäßig befriedigt zurücklässt – abgesehen davon, dass beide Filme sehr unterschiedliche Gemüte ansprechen und der Vergleich hier nur herangezogen wurde, weil die Western-Thematik in beiden Filmen präsent ist und sie zeitnah erschienen sind.

Maximilian Riemer

Maximilian Riemer ist Kino-Experte aus Leidenschaft. Ein guter Film gehört zweifelsohne zu den schönsten Dingen, die ihm über den Weg laufen könnten. In seinen Filmkritiken versucht er auch die technische Seite hinter den Filmen zu beleuchten und gibt dabei interessante Einblicke in das Handwerk.