Thomas Kretschmann zu „Immortal“

Wer ist eigentlich Nikopol?

Nikopol ist die männliche Hauptrolle. Nikopol ist ein Mann aus der Vergangenheit, der vor 30 Jahre eingefroren wurde – der Film spielt 2096. Er war eine Art Rebel, Poet und Revolutionär, hat die Leute gegen die Regierung angestiftet und wurde sozusagen weggesperrt. Und durch einen Unfall bricht die Kapsel in der er eingesperrt war heraus und er bleibt an der Brooklyn Bridge hängen und Horus der Himmelsgott – also ich erzähl jetzt mal den ganzen Film – sucht einen Körper, um sich fortzupflanzen, um seinen Samen in die Menschheit zu streuen. 2096 ist die Menschheit aber schon so degeneriert, dass es keinen mehr gibt, der pur ist und das ist poetisch zu sehen in vielerlei Hinsicht.

Wie ist der erste Kontakt zum Film entstanden?

Ich wurde dem Regisseur und dem Produzenten vorgestellt, von einem französischem Regisseur, mit dem ich einmal zusammengearbeitet habe. Der fand mich ganz passend für die Rolle und hat mich dann Enki Bilal vorgestellt.

Es wurde ja sehr viel virtuell gearbeitet bei dem Film. Wie lief das ab?

Naja, man muss sich vorstellen, dass wir da in einer riesigen Halle gedreht haben, die bespannt war mit grünen Wänden und man hat sich alles vorstellen müssen. Man hat sich vom Regisseur erklären lassen müssen, was im jeweiligen Moment ringsherum passiert und dazu kommt dann noch, dass gut die Hälfte meiner Szenen einen Partner hatte, den es am Set nicht gab. Man musste da quasi in die Luft hinein spielen. Da musste ich mir vorstellen, was der macht und auch darauf reagieren. Da muss man sich sehr stark seiner Vorstellungskraft bedienen.

Sie hatten aber auch reale Setteile, oder?

Wir hatten das Hotel. Also das Hotelzimmer war gebaut.

Nur das Hotelzimmer?

Für meine Rolle schon.

Das Ganze basiert ja auf Comics. Wie nah ist der Film an diesen Comics?

Es ist ziemlich nah dran. Es ist, würde ich sagen, eine Zusammenfassung dieser Nikopol Trilogie.

Sie spielen ja jetzt auch in „King Kong“ mit. Ist der Film schon abgedreht?

Ja er ist schon abgedreht.

Was können sie über den Film sagen?

Ich kann sagen, dass es der erste Film den ich gemacht habe, auf den ich so richtig gespannt bin, ihn das erste Mal selbst zu sehen, weil ich keine Ahnung habe wie er aussieht. Da wird aufgefahren wie bei „Lord of the Rings“ und noch mehr.

Also kann sich da Peter Jackson noch einmal übertreffen?

Naja, den Anspruch wird er sicher haben. Er wollte King Kong ja schon früher machen, das war ja sein erklärtes Lieblingsprojekt seit Kindheit. Und die sind natürlich visuell mit ihrer Technik auch noch weiter und können auch ihre Erfahrungen aus „Lord of the Rings“ nutzen.

Haben Sie in „Immortal“ irgendeine Lieblingsszene?

(überlegt) Lieblingsszene direkt nicht. Was ich gerne mag sind die visuellen Sachen, wo man sehr viel von der Umgebung sieht, weil einfach die Kulissen sehr schön sind.

Wie viel Thomas Kretschmann steckt in Nikopol?

Überhaupt nichts. Also ich benutze meinen Körper als Handwerk und ansonsten spiele ich die Figur.

Wie definieren Sie ihren Traum von Hollywood?

The Sky is the Limit

Vermisst man in Hollywood etwas aus Deutschland?

Ja, man vermisst die Kultur, man vermisst den Witz in der Sprache, ich vermisse meine Freunde und diverses Essen.

Zum Beispiel?

Ach, das kommt drauf an. In Berlin habe ich ein paar Lokale, in denen ich spezielle Sachen habe. Wenn ich nach München komme ziehe ich mir erst einmal ein paar Weißwürste rein, das sind so Sachen, spezielle Sachen, die man überall hat, nur in L.A. nicht.

Dafür Sonnenschein.

Ja, und das fast immer. Und man kann immer draussen sein.

Ist das nicht auch anstrengend? Also immer Sonne. Vermisst man nicht die Jahreszeiten?

Ja, Jahreszeiten schon. Aber ich fahr dann auch in die Berge. In 1 1/2 Stunden ist man auf Big Bear und kann auch Ski fahren.

Wie schätzen Sie den deutschen Film international ein?

Leider gibt es weniger deutschen Film als deutsches Fernsehen. Es wird wahnsinnig viel Fernsehen gemacht und leider auch sehr viel schlechtes Fernsehen. Und das Potential von Regisseuren und guten Schauspielern das man hat, wird wenig genutzt, um Filme wie „Sophie Scholl“ oder „Gegen die Wand“ zu machen. Da gibt es immer nur ein paar und die müssen schwer erkämpft werden. In Amerika ist es eine Industrie und wird anders gehandhabt und da wird auch viel mehr reingebuttert. Und in Deutschland, ich sage mal so, es ist immer schwer aus der Angst herauszuoperieren. In der Regel finde ich es gibt zu wenig Mut zu Risikobereitschaft.

Vielen Dank für das Interview!

Daniel Fürg

Daniel Fürg

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.