Tim und Struppi

Wer kennt sie nicht? Den neugierigen und unerschrockenen Rotschopf Tim und seinen stets treuen, tierischen Gefährten Struppi. Zusammen haben beide nun schon unzählige Abenteuer bestritten und die ganze Welt, groß und klein, jung und alt, hat sie dabei begleitetet. Egal ob nun in den, von dem Belgier Hergé erdachten Comic-Büchern, den daraus entstandenen Hörbüchern oder den Zeichentrickfilmen, die meisten Kinder, sowie im Herzen jung gebliebene Abenteurer, waren dabei stets an ihrer Seite. Zusammen war man schon auf der ganzen Welt und sogar auf dem Mond. Dass sie irgendwann einmal dreidimensional auf der Kinoleinwand zu sehen sind, davon hätten wohl weder der 1983 verstorbene Hergé, noch die beiden Globetrotter selbst, je zu träumen gewagt. Doch in ihrem neuesten Abenteuer, „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“, ist genau das der Fall.

Darin kauft Tim (Jamie Bell) bei einem Straßenverkäufer ein seltenes Sammlerstück, das Modell der „Einhorn“, einem sagenumwobenen Piratenschiff. Doch bereits kurz nach seinem Erwerb wird er von einem Fremden vor diesem Modell gewarnt. Nachdem Tim dem Unbekannten unmissverständlich klarmacht, dass er die Nachbildung behalten werde, taucht etwas später ein mysteriöser Adeliger, Iwan Iwanowitsch Sakharin (Daniel Craig), auf, der ihm das Schiff um jeden Preis abkaufen will.

Aber auch diesen weist Tim bestimmt zurück und bringt die „Einhorn“ zu sich nach Hause. Neugierig, was es mit dem Schiff auf sich hat, macht er sich zusammen mit seinem Hund Struppi auf in die Bibliothek, um mehr über das Schiff herauszufinden. Als die beiden wieder nach Hause kommen ist das Modell jedoch verschwunden, lediglich ein altes Pergament mit kryptischer Inschrift haben die Diebe übersehen. Während Tim noch versucht dessen Inhalt zu entziffern wird er von Sakharin entführt und auf einen Dampfer verschleppt. Dort trifft er den betrunken Kapitän Haddock (Andy Serkis), der ebenfalls von Sakharin gefangen gehalten wird.

Haddock ist ein direkter Nachfahre des Kapitäns der „Einhorn“ und gemeinsam mit Tim versucht er nun zu entkommen und das Geheimnis der „Einhorn“ zu lüften, ehe es zu spät ist.
Regisseur Steven Spielberg hat zusammen mit Produzent Peter Jackson versucht, die Geschichten um Tim und Struppi in die Neuzeit zu transportieren. Dabei haben die beiden auf das sogenannte Motion-Capture-Verfahren zurückgegriffen, bei dem die Bewegungen der Schauspieler mittels Sensoren eingefangen und in animierter Form dargestellt werden. Dadurch erhält die Serie einen ganz neuen Look, mit dem sich unter Umständen nicht alle Fans anfreunden können. Und eben dies stellt auch das große Problem von „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ dar, die Modernisierung.

Einerseits hat man versucht sich nah an den Charakteren zu orientieren und das Flair der Serie einzufangen. Dies gelingt auch bisweilen, vor allem durch den kindlichen, mit Slapstick-Einlagen versehenen, Humor erinnert man sich sofort zurück an die alten Comics oder Filme. Auch die liebevollen Figuren versprühen sofort dieses gewisse, wohlige Nostalgie-Gefühl. Seien es nun Tim und sein vierbeiniger Begleiter Struppi, der ewig betrunkene und fluchende Kapitän Haddock oder die tapsigen Schul(t)zes, alles kommt einem vertraut vor. Erfrischend ist auch, dass sich Steven Spielberg dabei nicht immer ganz so ernst nimmt und diverse Anspielungen auf seine früheren Werke, wie etwa „Der Weiße Hai“ oder „Indiana Jones“, macht.

Auf der anderen Seite hingegen musste man das Ganze eben doch etwas moderner, schneller und peppiger gestalten als dies in den Vorlagen der Fall war. Dies merkt man besonders deutlich in den zahlreichen Actionszenen. Diese sind zweifelsohne hervorragend inszeniert und choreographiert, vor allem die Verfolgung durch eine Wüstenstadt wurde besonders virtuos und atemlos in Szene gesetzt. Wenn sich im Gegenzug allerdings zwei Kontrahenten in turmhohen Kränen bekämpfen hat das nur noch sehr wenig mit den von Hergé erdachten Geschichten zu tun. Popcorn-Unterhaltung auf höchstem Niveau bietet der Film Spielberg-typisch also definitiv. Durch die Übersetzung der Serie ins 21. Jahrhundert ist jedoch viel von dem Charme verloren gegangen, der nicht zuletzt die beiden Protagonisten so sympathisch macht. Zwei Fortsetzungen sind bereits geplant, ob man Tim und Struppi nach all diesen Jahren dabei aber immer noch begleiten sollte, bleibt mehr als fraglich.

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.