Total Recall

Philip K. Dick war einer der bekanntesten und zweifelsohne auch besten Science-Fiction-Autoren seiner Zeit. Der US-Amerikaner verblüffte in seinen Werken ein ums andere Mal durch visionäre, detaillierte, oftmals sehr düstere Vorstellungen der Zukunft. Unter anderem deshalb wurde Dick 2007 als erster Schriftsteller aus der Science-Fiction Sparte in die Library Of America aufgenommen. Es verwundert daher kaum, dass sich auch Hollywood seit jeher immer wieder seiner Werke bedient. „Blade Runner“, „Minority Report“ oder „Der Plan“ sind nur eine kleine Auswahl an Filmen, die auf den Geschichten des 1982 verstorbenen Autors basieren. Auch „Erinnerungen en gros“, eine von Dicks zahlreichen Kurzgeschichten, wurde 1990 unter dem Namen „Total Recall – Die totale Erinnerung “ von Paul Verhoeven verfilmt, damals mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle. Nach zwölf Jahren entschied man sich nun dafür, mit „Total Recall“ ein Remake zu drehen, das sich zwar weit von der Vorlage entfernt, im Kern aber immer noch auf „Erinnerungen en gros“ basiert.

Diese Variante zeigt die Erde im Jahr 2084, nach dem 3. Weltkrieg. Durch den Einsatz von Chemiewaffen wurde beinahe der gesamte Planet verseucht und somit unbewohnbar gemacht. Lediglich Australien, genannt die Kolonie, und die UFB (United Federation of Britain) sind noch von Menschen bevölkert. Während in der Kolonie vor allem Arbeiter und mittellose Leute leben, residieren in der UFB hauptsächlich die Reichen und Mächtigen. Douglas Quaid (Colin Farrell) wohnt mit seiner Frau Lori (Kate Beckinsale) in der Kolonie. Er ist Fabrikarbeiter und obwohl er ein zufriedenes Leben führt, plagen ihn ständig Albträume, er kann nicht schlafen, sich nicht entspannen. Deshalb will er die Dienste der Firma Rekall in Anspruch nehmen. Diese verspricht eine Art Gedanken-Ausflug, bei dem man die tollkühnsten Träume durchleben kann, die dann anschließend als eigene Erinnerung im Gehirn abgespeichert werden. Doch gerade als er sich in der Traumwelt verlieren will, stürmt eine schwerbewaffnete Einheit der Polizei den Raum. Douglas, der nicht weiß wie ihm geschieht, wehrt sich instinktiv. Nichtsahnend findet er sich auf einmal inmitten eines brutalen Krieges zwischen den Regierungstruppen von Chancellor Cohaagen (Bryan Cranston) und den Rebellen, unter Führung von Matthias (Bill Nighy), wieder. Dabei beginnt die Grenze zwischen Realität und Fantasie zunehmens zu verschwimmen.

Die Idee, diese Geschichte neu aufzulegen, scheint ob der technischen Möglichkeiten, die heutzutage zur Verfügung stehen, auf den ersten Blick durchaus sinnvoll. Sind es doch vor allem Filme aus dem Science Fiction Genre, die mit zunehmendem Alter ihr optisches Verfallsdatum immer mehr überschreiten (abgesehen natürlich von Kubricks Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“). Und in Sachen Optik und Inszenierung, kann man dem Film auch beinahe nichts vorwerfen. Sicher, es sind nicht die denkwürdigsten Actionszenen, aber sie sind stets auf einem konstant hohem Niveau. Ob nun halsbrecherische Verfolgungsjagden (per pedes oder futuristischem Automobil), knackige Explosionen oder ausufernde Kämpfe und Schießereien, alles geschieht wie aus einem Guss und ist dabei ansprechend in Szene gesetzt. Garniert mit ein paar imposanten Einlagen in der Schwerelosigkeit macht „Total Recall“ vom äußeren Eindruck her also vieles richtig.

Doch der Film will mehr sein als nur schöner Schein – wie auch die zugrunde liegende Geschichte mehr ist. Aber die ganze düstere Atmosphäre dieser Dystopie, die auch wunderbar in der Erstverfilmung transportiert wurde, all das Dreckige und Verruchte, quasi alles was diese Vision ausmacht, wurde in bester Hollywood-Manier glattgebügelt und weichgespült. Dabei bietet die Idee mit den implantierbaren Erinnerungen so viel Tiefe, so viel Potenzial, doch anstatt dies zu nutzen, ist der Gedanke lediglich eine leere Hülle, die als Kulisse für ein Action-Spektakel dient. Der Versuch dem Ganzen mit pseudo-philosophischem Geschwafel doch noch eine gewisse Bedeutung beizumessen, zieht das Ganze dann fast schon ins Lächerliche. Stattdessen wird mit zunehmender Dauer das Klischee-O-Meter immer weiter nach oben getrieben, es werden unzählige, vermeintlich lustige Einzeiler geäußert und Kate Beckinsale wird in immer cooleren Posen mit immer cooleren Blicken gefilmt. Damit es keine Missverständnisse gibt, jede Szene mit der bezaubernden Frau Beckinsale ist ein wahrer Genuss, doch hier wollte Regisseur Len Wiseman, ihr Ehemann, einfach nur zeigen wie tough und lässig doch seine Frau ist. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen, er wird ohnehin schon von jedem Mann auf diesem Planeten beneidet.

Wer also schönen Menschen dabei zusehen will, wie sie schöne Dinge tun, die nebenbei auch noch schön inszeniert sind, kann sich „Total Recall“ bedenkenlos ansehen. Oder alternativ auch einen Film mit Ben Affleck – wie beispielsweise „Paycheck“. Die Story dieses Films basiert übrigens auf einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick.

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.