Zorn der Titanen

Als „Kampf der Titanen“ vor ziemlich genau zwei Jahren in die Kinos kam, staunte der geneigte Kinogänger nicht schlecht. Das Remake des gleichnamigen Götter-Epos aus dem Jahre 1981 hatte mit den ungelenken und holprigen Animationen des Originals nichts mehr gemein, im Gegenteil, die Technik war des große Prunkstück des Action-Spektakels. Die Rechnung ging auf, beinahe 500 Millionen Dollar spielte der Film weltweit ein und so war abzusehen, dass bald eine Fortsetzung erscheinen würde. Diese trägt nun den äußerst originellen Titel „Zorn der Titanen“ und übernimmt stur das Konzept des Erstlings – bombastische Action ohne jeglichen Anspruch. Die Geschichte spielt dabei eine sehr untergeordnete, ja fast schon belanglose Rolle, soll der Vollständigkeit halber hier aber dennoch erwähnt werden. Halbgott Perseus (Sam Worthington) lebt nach den Ereignissen des ersten Teils zurückgezogen in einem kleinen Fischerdorf. Er ist mittlerweile Vater eines Sohnes und hat sein Schwert und seine Kampf-Sandalen an den Nagel gehängt. Doch eines Tages überbringt Poseidon ihm eine schreckliche Nachricht: Zeus (Liam Neeson), der Vater von Perseus, wurde von seinem Bruder Hades (Ralph Fiennes) und seinem Sohn Ares (Édgar Ramírez) entführt und in die Unterwelt verschleppt. Das Ziel der beiden ist es, den mächtigen Titanen Kronos, den Vater der Götter und Schöpfer der Erde aus seinem ewigen Gefängnis zu befreien und die Welt in Chaos und Verdammnis zu stürzen. Also macht sich Perseus zusammen mit Königin Andromeda (Rosamund Pike) und dem Halbgott Agenor (Toby Kebbell) auf, den Mächten der Finsternis das Handwerk zu legen und die Menschheit vor ihrer Ausrottung zu bewahren.

Diese Story bildet also den Rahmen für das Action-Feuerwerk und hat mit der eigentlichen griechischen Mythologie bis auf die Namen und Ortschaften herzlich wenig zu tun. Auch sonst ist sie weit davon entfernt, eine Art von Spannung zu erzeugen. Durch die äußerst tumbe Klischeehaftigkeit und die extrem generischen Dialoge, welche vor Pathos nur so triefen, ist ein Zugang zur Handlung einfach nicht möglich, man ist nur ständig dabei ungläubig den Kopf zu schütteln und sich von Zeit zu Zeit an den selbigen zu fassen. Lässt man seinen Verstand allerdings von Beginn an im Ruhemodus, was bei einem Film dieser Art beinahe schon zwingende Voraussetzung ist, so kann man sich hier durchaus unterhalten lassen. Allen voran die pompösen und ausufernden Action-Sequenzen schaffen es, den Zuschauer mitunter doch in den Bann des Films zu ziehen. Egal ob dabei nun gegen Zyklopen, Minotauren oder feuerspeiende Chimären gekämpft wird, durch die flotten Schnitte und die herausragende Technik entsteht ein atemberaubendes und beeindruckendes Gesamtbild. Auch die teilweise gigantischen Szenerien, vor allem in der Unterwelt, ringen einem allein durch ihre schiere Größe das ein oder andere Staunen ab.
Kurzweilige und äußerst imposante Unterhaltung hat „Zorn der Titanen“ also allemal zu bieten, jedoch nur, wenn man nicht darüber nachdenkt.

Fabian Ohrner

Fabian Ohrner ist Vollblut-Cineast und schreibt bereits seit 2004 Filmkritiken. Der Münchner liebt Filme mit Tiefgang und die ganz große Filmkunst, die nicht immer nur in besonders künstlerischen Filmen liegen muss.